HERZMEDIZIN: Nach welchen Kriterien sucht die Programmkommission Themen und Schwerpunkte aus, die auf der Jahrestagung und bei den Herztagen im Mittelpunkt stehen?
Hinkel: Die Kriterien, nach denen die Themen und Schwerpunkte ausgesucht werden, sind vielfältig und unterscheiden sich zum Teil zwischen der Jahrestagung und den Herztagen. Bei der Jahrestagung gibt es durch den Tagungspräsidenten ein übergeordnetes Thema, welches gleichzeitig das Motto des Kongresses ist und zu welchem der Tagungspräsident die Sitzungen konzipiert. Die Programmkommission, die sich aus den verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern der DGK (welche gleichzeitig auch die große Vielfalt innerhalb der DGK widerspiegeln) zusammensetzt, schaut sich das Programm des Tagungspräsidenten an und stimmt die zusätzlich eingereichten Programmvorschläge mit diesem ab. Hierbei geht es nicht darum, alles nur unter einem Motto zu vereinen, sondern vielmehr die verschiedenen Gruppen und Interessen der Mitglieder der DGK ausgewogen darzustellen und wann immer es möglich ist, synergistische Effekte zwischen verschiedenen Programmvorschlägen, dem Motto und den Sitzungen des Tagungspräsidenten herzustellen. Dies schließt die Young DGK, Basic Science, die Arbeitsgruppen und auch die Akademie mit ein. Zusätzliche Sitzungen werden übergreifend aus den verschiedenen Bereichen zusammengestellt und dann nach Verfügbarkeit und Passgenauigkeit zu dem bereits vorhandenen Programm ausgewählt. Insgesamt ist dies ein Prozess, der sich über mehrere Sitzungen und Monate entwickelt, bis am Ende ein gelungenes Programm für die jeweilige Jahrestagung zusammengestellt wurde.
HERZMEDIZIN: Das Motto der Jahrestagung 2025 lautete „Perspektiven der kardiovaskulären Präzisionsmedizin – von der Prävention zur Intervention.“ Wie ist es dazu gekommen?
Hinkel: Den Impuls für dieses Motto hat der Tagungspräsident, Prof. Dr. Ulf Landmesser, gegeben. Gefüllt wurde das Motto dann zum einen mit den Sitzungen des Tagungspräsidenten, aber auch mit weiteren Sitzungen der verschiedenen Interessensgruppen innerhalb der DGK. Dies ist über mehrere Monate ein dynamischer Prozess, in dem sich die Sitzungsvorschläge immer wieder angeschaut und angepasst werden, bis ein finales Programm feststeht. Hierbei wird auf eine Ausgewogenheit zwischen Passgenauigkeit zum Motto der Jahrestagung aber auch auf Perspektiven und Besonderheiten der verschiedenen Interessensgruppen der DGK geachtet, so dass sich hoffentlich am Ende alle Mitglieder der DGK auf der Jahrestagung gut aufgehoben fühlen und spannende wissenschaftliche Vorträge erleben können.
HERZMEDIZIN: Die Herztage bestehen immer aus fünf Subkongressen. Wie gehen Sie als Programmkommission im Vorfeld mit dieser Besonderheit um und wie setzen Sie Schwerpunkte?
Hinkel: Hier ist das Vorgehen ähnlich wie bei der Jahrestagung, nur dass es mehrere Tagungspräsidenteninnen und -präsidenten gibt. Zunächst konzipieren die einzelnen Subkongresse ihr Programm, dieses wird dann gemeinsam geprüft und harmonisiert, so dass Dopplungen und Überschneidungen vermieden werden. Bei den Herztagen haben wir seit wenigen Jahren eine Besonderheit, hier haben wir die Plaza als neues, interaktives Format inmitten der Ausstellung. Die Sitzungen der Plaza stehen jedes Jahr unter einem Oberthema, welches in der Taskforce gemeinsam festgelegt wird. Bei den Herztagen 2025 ging es um Fragen rund um künstliche Intelligenz und Digitalisierung in der Kardiologie. Insgesamt ist es uns gelungen, trotz der verschiedenen Perspektiven und Ausrichtungen der Subkongresse ein Programm zu erstellen, welches für jeden interessante und spannende Themen beinhaltete und gleichzeitig eine Interaktion, zwischen den verschiedenen Personengruppen die die DGK vereint, ermöglicht hat.
HERZMEDIZIN: Wie wird die inhaltliche Abstimmung zwischen den beiden Kongressen sichergestellt, um Überschneidungen zu vermeiden?
Hinkel: Mit der Erstellung des Programms für die Jahrestagung ist die Programmkommission betraut, das Programm für die Herztage wird vor allem durch die Task Force Herztage konzipiert. Um dennoch eine gute Abstimmung zwischen den beiden Gremien und Tagungen gewährleisten zu können, ist die Vorsitzende des Programmkommission Mitglied der Taskforce und die Präsidentinnen und Präsidenten der klinischen Subkongresse stellen ihre jeweiligen Ideen in den Sitzungen der Programmkommission vor. Begleitet werden beide Gremien von Mitarbeitenden aus der Geschäftsstelle, die nicht nur hervorragend die Arbeit der jeweiligen Gremien unterstützen, sondern auch für eine exzellente und transparente Kommunikation zwischen den Gremien und Vorsitzenden sorgen.
HERZMEDIZIN: Welche Rolle spielen junge Kardiologinnen und Kardiologen bei der Themenauswahl und der Gestaltung einzelner Programmpunkte?
Hinkel: Die Young DGK ist in beiden Gremien fester Bestandteil und bringt sich hier aktiv in die Gestaltung der Programme ein. Dies geschieht zum einen durch Sitzungsvorschläge, die durch die Young DGK für die jeweiligen Kongresse eingebracht werden, aber auch durch die Interaktion der Young DGK mit den verschiedenen Interessensgruppen der DGK. Die neue Weiterbildungsordnung und die Zusammenarbeit als Team sind Themen, die durch die Perspektive und den interaktiven Austausch mit der Young DGK bereichert werden.
HERZMEDIZIN: In welchem Umfang werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder aktuelle Leitlinienänderungen kurzfristig in das Programm integriert?
Hinkel: Diese werden aktiv in der Planung der jeweiligen Programme berücksichtigt. So gibt es im Programm der Herztage immer die Möglichkeit „Neues von dem ESC“, ob klinische Studien oder Leitlinien, zu präsentieren. Auch auf der Jahrestagung gibt es Late Breaking Sessions, in denen die aktuellen Entwicklungen vorgestellt werden. Dies ermöglicht es uns, trotz langem Vorlauf in der Planung der jeweiligen Kongresse, aktuelle Ergebnisse zu berücksichtigen und im entsprechenden Rahmen vorzustellen.
HERZMEDIZIN: Wie bewertet die Programmkommission im Nachhinein den Erfolg einzelner Sessions (z. B. Teilnahmezahlen, Feedback, wissenschaftliche Qualität), und wie fließen diese Erkenntnisse in die Planung der Folgejahre ein?
Hinkel: Die Frage spricht ein sehr wichtiges Thema an, nämlich wie wir es schaffen, nachhaltig Kongresse zu gestalten damit diese für die Mitglieder interessant und relevant sind. Hierzu wird seit einigen Jahren eine Evaluierung der Sitzungen und einzelner Vorträge angeboten. Diese ist für uns in der Programmkommission und der Taskforce Herztage sehr wichtig, da wir hier ein direktes Feedback zum Programm bekommen und somit sehen, ob wir die Interessen der DGK in der Breite gut dargestellt haben. Erlauben Sie mir hier einen kleinen Apell, bitte nutzten Sie alle die Möglichkeiten der Evaluierung der Sitzungen, dies ermöglicht es uns, die Programme stehts weiterzuentwickeln und auf die Bedürfnisse der Mitglieder der DGK anzupassen. Nun aber zur eigentlichen Frage: Die Evaluierung, genau wie die Teilnehmerzahlen, werden intensiv nach der Tagung angeschaut und interpretiert. Dies kann zum Beispiel zu einer etwas anderen Positionierung der Sitzung im nächsten Jahr führen, aber auch zur Wahl eines anderen Raumes, damit die Raumgröße der Zuhöreranzahl entspricht.
Abschließend möchte ich noch anmerken: Sowohl in der Programmkommission für die Jahrestagung als auch in der Taskforce für die Herztage habe ich die Programmerstellung sowie die Zusammenarbeit und den kollegialen Austausch mit den Vertreterinnen und Vertretern der unterschiedlichen Interessensgruppen und der Geschäftsstelle stets als sehr bereichernd und angenehm erlebt. Ich kann nur jeden ermutigen, sich aktiv an der Gestaltung der Programme für die Tagungen, oder anderen Aufgaben in der DGK zu beteiligen, denn wir alle sind die DGK.