Die Sektion 5 versteht sich als Plattform für Analyse, Austausch und konkrete Gestaltung. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum bestimmte Geschlechter und Personengruppen in der Kardiologie nach wie vor unterrepräsentiert sind und was getan werden kann, um dem wirksam zu begegnen. Ziel ist es, strukturelle Ursachen zu identifizieren und auf dieser Basis praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln.
Entstanden ist die Sektion aus der Projektgruppe PG 13 „Frauen und Familie in der Kardiologie“, die 2012 vom Vorstand der DGK eingesetzt wurde. Schnell zeigte sich, dass die Themen Chancengerechtigkeit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine kurzfristigen Fragestellungen sind, sondern einer dauerhaften Bearbeitung bedürfen. Die Verstetigung als Sektion ermöglicht es nun, den Vorstand der DGK kontinuierlich zu beraten und den Dialog mit den Mitgliedern der Fachgesellschaft sowie im gesellschaftlichen Kontext aktiv zu gestalten.
Eine zentrale Grundlage der Sektionsarbeit ist die kontinuierliche Erhebung und Auswertung von Daten zur Geschlechterrepräsentation innerhalb der DGK. Zwischen 2000 und 2020 hat sich der Frauenanteil unter den DGK-Mitgliedern verdoppelt und liegt aktuell bei 28,66 %. Auch wenn der Vorstand der DGK lange Zeit ausschließlich männlich besetzt war, zeigt sich in den vergangenen Jahren in verschiedenen Gremien eine zunehmende Beteiligung von Frauen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Jahrestagungen der DGK. Während der Anteil männlicher Referenten lange Zeit überwog – mit Ausnahme von Programmen unter weiblicher Tagungspräsidentschaft –, ist in den vergangenen Jahren eine deutlich positive Entwicklung zu beobachten. Im Jahr 2024 stieg der Frauenanteil im Vergleich zu den Jahren 2021 bis 2023 in allen Programmbereichen deutlich an, unter anderem in wissenschaftlichen Vortragssitzungen (29 %) und Abstract-Sitzungen (38 %). Besonders bemerkenswert war die Verdoppelung des Frauenanteils bei den Industriesymposien von 10 % im Jahr 2021 auf 23 % im Jahr 2024.
Ein zentraler Baustein auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit ist die Möglichkeit, die Facharztweiterbildung auch während Schwangerschaft und Stillzeit fortzuführen. Dabei geht es darum, Frauen und ihre Kinder vor unverantwortbaren Gefährdungen zu schützen und gleichzeitig berufliche Nachteile zu vermeiden.
Mitglieder der Sektion 5 waren maßgeblich an der Erarbeitung eines interdisziplinären Konsensuspapiers zum Thema „Schwangerschaft und Mutterschutz in der Kardiologie und in der Kinder- und Jugendkardiologie“ beteiligt. Das Papier wurde gemeinsam von der DGK, der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler sowie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin erstellt. Unter Einbeziehung arbeitsmedizinischer und juristischer Expertise werden darin evidenzbasiert potenzielle Gefahrenquellen, die aktuelle Gesetzeslage sowie konkrete Möglichkeiten zur Anpassung und Gestaltung von Arbeitsbedingungen aufgezeigt, um eine sichere und individuelle Tätigkeit während Schwangerschaft und Stillzeit zu ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Sektion 5 liegt auf Vernetzung und Austausch. Regelmäßige Treffen sowie eigene Sitzungen im Rahmen der Jahrestagung und der Herztage schaffen Raum für wissenschaftliche Impulse, Diskussionen und persönliche Begegnungen. Darüber hinaus engagiert sich die Sektion aktiv in der Nachwuchsförderung, unter anderem durch ihre Beteiligung am Mentoring-Programm der DGK.
Um vorbildliche Maßnahmen zur Förderung von Chancengerechtigkeit sichtbar zu machen, plant die Sektion die Einführung eines Zertifikats sowie die öffentliche Würdigung von Persönlichkeiten mit besonderem Engagement in diesem Bereich.
Die Sektion 5 bündelt Expertise, Daten und Engagement mit dem Ziel, Chancengerechtigkeit in der Kardiologie evidenzbasiert voranzubringen und dauerhaft in der Fachgesellschaft zu verankern.