vier ärzte und ärztinnen im OP

NHA-Schirmherrschaften

DGK Jahresbericht 2025 | Mit einer neuen Schirmherrschaft unterstützt die Nationale Herz-Allianz (NHA) kardiologische Forschungsprojekte, die zu einer entscheidenden Verbesserung der Früherkennung und der Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen beitragen. Vier Projekte haben die Schirmherrschaft im vergangenen Jahr erhalten.  

Bildquelle (Bild oben): Jacob Lund / stock.adobe.com

Von:

Melissa Wilke

DGK-Redaktion

 

02.04.2026

Die NHA unterstützt seit 2025 kardiologische Projekte aus den Themenbereichen Prävention und Früherkennung, Digitalisierung und Telemedizin sowie Translationale Forschung als Schirmherrin. Zu den Zielen der NHA gehören der schnellere Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis, der Ausbau interdisziplinärer und intersektoraler Versorgungsstrukturen sowie eine stärkere Digitalisierung der Herz-Kreislauf-Medizin. Ergänzend sollen bundesweite Programme zur Prävention sowie Früherkennung von Risikopatientinnen und -patienten etabliert werden.

Primärprävention mit dem "Bremer Modell"

Im April übernahm die NHA die Schirmherrschaft des Projekts „Bremer Modell“. Ziel des Projekts ist die Verbesserung der kardiovaskulären Verhaltens- und Verhältnisprävention in Bremen, in dessen Kern vor allem die Bevölkerungsaufklärung von Kindern, Jugendlichen und sozioökonomisch benachteiligten Personen steht. Veranlasst durch hohe Herzinfarktraten in Bremen hat die Stiftung Bremer Herzen mit dem „Bremer Modell“ ein umfassendes und ganzheitliches Konzept kardiovaskulärer Verhaltens- und Verhältnisprävention entwickelt und in den letzten 10 Jahren erfolgreich umgesetzt. Vorbild der Studie ist die kardiovaskuläre Primärprävention Japans, um Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten zu verhindern und das Wohlbefinden der Kinder zu fördern. Da sich das Projekt in Bremen bereits bewährt hat, ist perspektivisch eine Ausweitung auf weitere Regionen möglich. 

Mobile Herz-MRTs zur Herzinsuffizienz-Früherkennung

Das WE-CARE-HF-CMR (HerzCheck)-Projekt konnte in einer ersten Projektphase Menschen mit asymptomatischer Herzinsuffizienz mithilfe mobiler Herz-MRT-Untersuchungen identifizieren. Bei 4.500 Personen in ländlichen Regionen Ost- und Norddeutschlands erfolgte in einem Zeitraum von rund zwei Jahren die Messung des neuen Parameters GLS (Globaler longitudinaler Strain), welcher eine sehr genaue, untersucherunabhängige Beurteilung der linksventrikulären Funktion erlaubt. Bei fast einem Viertel wurde eine sogenannte subklinische Herzinsuffizienz mit verschlechterter Herzfunktion ohne Symptome festgestellt. Die Kontrollgruppe von rund 8.500 Patientinnen und Patienten, die mit herkömmlichen Methoden untersucht wurden, bekam im Schnitt erst etwa sieben Jahre später eine Herzschwäche-Diagnose. In einem Folgeprojekt wird nun untersucht, ob sich diese Ergebnisse auch auf Großstädte und Ballungsräume in Deutschland übertragen lassen. Dazu wurden ab Herbst 2025 mobile Herz-MRT-Untersuchungen in fünf deutschen Großstädten durchgeführt. 

Lipid-Zielwerte in der Rehabilitation erreichen

Daten der Versorgungsforschung zeigen, dass die Zielwerte in der Lipidtherapie bei bereits kardiovaskulär erkrankten Patientinnen und Patienten nur selten erreicht werden. Hier setzt das Projekt „Reha auf Ziel“ der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Deutschen Gesellschaft für Lipidologie an. Im Verlauf einer Rehabilitation gibt es mehr Möglichkeiten für Gespräche und Schulungen, während die Betroffenen in diesem Rahmen besonders offen für eine Beschäftigung mit ihrer Erkrankung sind. Der Fokus des Projekts liegt auf der Durchführung einer prospektiven Registerstudie mit appbasierter und patientengestützter Datenakquise und dem Aufbau eines multizentrischen LDL-Cholesterin-Registers aus kardiologischen und nicht-kardiologischen Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland. Es soll untersucht werden, ob die patientengestützte Erfassung von Blutfettwerten via App nicht nur die gesundheitsbezogene Bildung, Awareness und Empowerment, im Vergleich zur Standardtherapie, verbessert, sondern auch die Identifizierung und rechtzeitige Behandlung von Personen mit problematischen Fettstoffwechselstörungen in Deutschland zur Folge hat. In einer ersten Pilotstudie sollen nun die Umsetzbarkeit evaluiert und die Kontrollgruppen der Kohorten aufgebaut werden.  

Webbasierte Prävention von Herzinsuffizienz

Spezialisierte Pflegekräfte wie Heart Failure Nurses (HFN) sollen Lücken in der Herzinsuffizienz-Therapie schließen, während E-Learning und der Einsatz mobiler Geräte zur Schulung von Betroffenen verwendet werden. Bisherige Studien zu diesem Thema haben jedoch nur wenige Aspekte der Therapie untersucht und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Das „Intensive Tertiary Prevention Program after Decompensated Heart Failure“ (IPP-HF) wird untersuchen, ob ein einjähriges, von HFN geleitetes, webbasiertes Programm für Patientinnen und Patienten, die aufgrund einer Herzinsuffizienz hospitalisiert wurden, zu einer geringeren Rehospitalisierungsrate und einer Verbesserung der Lebensqualität (QoL) führt. Das Präventionsprogramm umfasst Patientenschulungen per E-Learning, die Nutzung einer App für Herzinsuffizienz, die Einbindung der Betroffenen in ein interdisziplinäres Herzinsuffizienz-Netzwerk und die Überweisung an Herzsportgruppen oder andere Spezialistinnen und Spezialisten. Die Patientinnen und Patienten werden zudem regelmäßig auf Anzeichen einer (bedrohlichen) Dekompensation und bezüglich ihrer Medikation, Fitness und Lebensqualität überwacht. 

NHA-Schirmherrschaft beantragen

Bei Interesse an einer Unterstützung durch eine Schirmherrschaft der NHA steht ein Antragsformular auf Herzmedizin.de zur Verfügung. Alle zu erfüllenden Kriterien mit den zur Antragsstellung notwendigen Informationen sind auf dem Formular hinterlegt. Voraussetzung zur Bewilligung sind vollständig vorliegende Unterlagen, da die Entscheidung darüber bestmöglich durch den NHA-Lenkungsausschuss in Abstimmung mit den spezifischen NHA-Task Forces erfolgt.

Die DGK im Jahr 2025

Neben den zahlreichen Artikeln auf Herzmedizin.de, die einen tiefen Einblick in die vielseitigen Tätigkeiten der Fachgesellschaft geben, finden Sie hier die Daten und Fakten zur Mitgliederentwicklung, Kooperationen, das Protokoll der Mitgliederversammlung sowie Listen der Gremienmitglieder und mehr handlich als PDF-Datei zum Download. 

 

 

Deckblatt DGK Jahresbericht 2025