Entwicklung einer grafisch-erzählenden Zusatzaufklärung für ängstliche Patient:innen vor Transkatheter-Aortenklappenimplantation – Effekte auf Patientenzufriedenheit und individuelles Krankheitserleben

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Dr. Laura Bäz und Prof. Dr. Marcus Franz, Jena

Hintergrund

Depressivität und Angst stellen häufige und oft unerkannte psychische Komorbiditäten bei älteren Patient:innen mit hochgradiger, symptomatischer Aortenklappenstenose dar. Unsere Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass allein durch die Behandlung des Herzklappenfehlers mittels Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) eine deutliche und anhaltende Reduktion von Depressivität und Angst erreicht werden kann. Dies ist wahrscheinlich durch einen Rückgang der Beschwerden und der damit einhergehenden Zunahme an Lebensqualität zu erklären. Es stellte sich nun die Frage, ob sich durch psychologische bzw. psychoedukative Interventionen ein zusätzlicher Nutzen für diese Patient:innen ergibt.

 

Ziel

Ziel unserer Studie ist es deshalb, eine grafisch-erzählende Zusatzaufklärung im Sinne eines Comics zu entwickeln, die den Weg eines älteren Patienten durch die Therapie mittels TAVI einfach und verständlich nachzeichnet und dabei wesentliche Aspekte einer medizinischen Aufklärung enthält. In der aktuellen Auswertung beschreiben wir die Zufriedenheit der Patient:innen mit dieser zusätzlichen Aufklärungsform und untersuchen Effekte auf das individuelle Krankheitserleben.

 

Methoden

Für unsere Analyse standen insgesamt 50 TAVI-Patient:innen zur Verfügung, die vor der Prozedur in der sogenannten Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D), einem Fragebogen zur Messung von Depressivität und Angst, auffällige Werte für Angst (≥ 8 Punkte) zeigten. Alle Patient:innen erklärten sich zur Teilnahme an der aktuell laufenden prospektiv-randomisierten COMTAVI-Studie bereit. In dieser werden ängstliche Patient:innen vor TAVI zufällig entweder einer Gruppe mit Standardaufklärung (Kontrollgruppe) oder einer Gruppe mit zusätzlicher COMIC-Aufklärung (COMIC-Gruppe) zugeordnet. Die Patientenzufriedenheit mit der Aufklärungsprozedur und das individuelle Krankheitserleben erhoben wir mittels spezifisch adaptierter Fragebögen.

 

Ergebnisse

Bei den untersuchten Patient:innen handelt es sich um ein typisches TAVI-Kollektiv mit einem mittleren Alter von 83 ± 5 Jahren und einem moderaten bis hohen perioperativen Risiko (mittlerer STS-Score 4,6 ± 4,5). Alle Patient:innen konnten erfolgreich über einen Leistenzugang mittels TAVI behandelt werden. Nach der Randomisierung fanden sich 26 Patient:innen in der COMIC- und 24 Patient:innen in der Kontrollgruppe. Die Patientencharakteristika wiesen keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen auf. Im Hinblick auf die Zufriedenheit mit der Aufklärungsprozedur konnten insbesondere für das Ausmaß der Selbstkontrolle und die Adhärenz gegenüber Verhaltensanweisungen nach dem Eingriff signifikante Vorteile für die COMIC-Gruppe gezeigt werden. Bezogen auf das Krankheitserleben fand sich in beiden Patientengruppen nach der Aufklärungsprozedur eine signifikante Verbesserung des Wissens über den geplanten Eingriff und bezüglich postoperativer Verhaltensanweisungen. Die Überzeugung, selbst etwas für zur eigenen Genesung beitragen zu können, konnte nur in der COMIC-Gruppe gestärkt werden.

 

Fazit

Wir konnten in dieser Analyse erstmals aufzeigen, dass eine grafisch-erzählende Zusatzaufklärung ein geeignetes Mittel zur Optimierung des Aufklärungsprozesses bei älteren Patient:innen vor TAVI darstellt. Es ergeben sich erste Hinweise, dass sowohl die Patientenzufriedenheit verbessert als auch das individuelle Krankheitserleben und der Umgang mit der Erkrankung positiv beeinflusst werden kann. Ob sich auch das individuelle Angstniveau reduzieren lässt, wird sich nach Abschluss der COMTAVI-Studie zeigen.

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