Das Wichtigste in Kürze
- Bei einer Mitralklappeninsuffizienz ist die Mitralklappe undicht.
- Blut fließt aus der linken Herzkammer zurück in den linken Vorhof.
- Leichte Formen machen oft lange keine Beschwerden.
- Typische Symptome bei ausgeprägter Insuffizienz sind Atemnot, Herzrasen und Wassereinlagerungen in den Beinen.
- Die wichtigste Untersuchung ist die Echokardiographie (Herzultraschall).
- Medikamente lindern Beschwerden und bremsen den Verlauf. Den Klappenfehler selbst können sie nicht rückgängig machen. Bei schweren Formen kommen Katheterverfahren oder Operationen infrage.
Was ist eine Mitralklappeninsuffizienz?
Eine Mitralklappeninsuffizienz ist ein Mitralklappenfehler, bei dem die Klappe nicht mehr richtig schließt. Dadurch fließt beim Zusammenziehen der linken Herzkammer ein Teil des Blutes zurück in den linken Vorhof und Richtung Lunge. Das Herz muss dann mehr arbeiten, um genug Blut in den Körper zu pumpen. Die Erkrankung kann über Jahre ohne spürbare Beschwerden verlaufen.
Nach der Aortenklappenstenose ist die Mitralklappeninsuffizienz die zweithäufigste Klappenerkrankung. Untersuchungen zufolge sind rund 10 % der Bevölkerung in Deutschland über 75 Jahre von einer Mitralklappeninsuffizienz betroffen.
Welche Aufgabe hat die Mitralklappe?
Das Herz besteht aus zwei Hälften. Jede Hälfte hat einen Vorhof und eine Herzkammer. Vier Herzklappen wirken wie Ventile. Sie verhindern, dass Blut zurückströmt.
Die Mitralklappe liegt zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. Sie lässt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge in die linke Herzkammer einströmen. Danach schließt sie. So bleibt das Blut in der Kammer und kann über die Aortenklappe in den Körper gepumpt werden. Bei einer Insuffizienz schließen die betroffenen Klappen nicht mehr richtig und sind deshalb undicht. Bei einer Mitralklappeninsuffizienz bedeutet das konkret, dass etwas Blut zurück Richtung Lunge gelangt. Das Herz muss dann mehr arbeiten, um seine Leistung erbringen zu können.
Ursachen: Wie entsteht eine Mitralklappeninsuffizienz?
Eine Mitralklappeninsuffizienz kann angeboren sein. Meist ist sie jedoch erworben. Typische Ursachen sind:
Welche Ursache vorliegt, ist wichtig für die weitere Behandlung.
Symptome: Wie macht sich eine undichte Mitralklappe bemerkbar?
Die Beschwerden hängen davon ab, ob die Erkrankung akut oder chronisch verläuft.
Akute Mitralklappeninsuffizienz
Bei einer akuten Form fällt die Herzleistung rasch ab. Es kann zu Flüssigkeit in der Lunge kommen (Lungenödem). Auch ein kardiogener Schock ist möglich. Dabei pumpt das Herz nicht mehr genug Blut in den Körperkreislauf. Das ist ein Notfall und muss sofort behandelt werden.
Chronische Mitralklappeninsuffizienz
Eine leichte chronische Insuffizienz verursacht oft keine Symptome. Bei einer ausgeprägten Mitralklappeninsuffizienz treten typischerweise Beschwerden auf wie:
- spürbares Herzklopfen oder Herzrasen
- Atemnot zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe
- Wassereinlagerungen, vor allem an Beinen und Knöcheln
- schnelle Erschöpfung und sinkende Belastbarkeit
- Husten, besonders nachts
Diagnose: Wie wird eine Mitralklappeninsuffizienz erkannt?
Die Standarduntersuchung ist die Echokardiographie. Das ist ein Herzultraschall. Dabei sehen Kardiologinnen und Kardiologen die Klappenstruktur und den Blutfluss in Echtzeit. So lässt sich erkennen, wie viel Blut durch die undichte Klappe zurückströmt.
Manchmal ist ein Ultraschall über die Speiseröhre nötig. Das heißt transösophageale Echokardiographie.
Wenn Beschwerden nur unter Belastung auftreten, kann ein „Stress-Echo“ helfen. Dafür wird das Herz während körperlicher Belastung oder unter Medikamentenwirkung untersucht.
Behandlung: Was hilft bei Mitralklappeninsuffizienz?
Die Therapie der Mitralklappeninsuffizienz richtet sich vor allem nach dem Schweregrad. Während leichte bis mittelgradige Fälle regelmäßig kontrolliert werden sollen, wird laut Leitlinien eine Mitralklappenreparatur bei einer hochgradigen Mitralklappeninsuffizienz empfohlen, wenn diese mit starken Beschwerden einhergeht. Falls keine Beschwerden vorliegen, ist die Herzfunktion im Einzelfall zu berücksichtigen.
In der Regel werden Betroffene mit einer hochgradigen Mitralklappeninsuffizienz in eine spezialisierte Klinik (Mitralklappenzentren) überwiesen und dort von dem Herzteam betreut, das über das weitere Vorgehen berät.
Eine neue minimalinvasive Methode ist die Reparatur der Mitralklappeninsuffizienz mittels M-TEER (Transcatheter-Edge-to-Edge-Reparatur). Die M-TEER hat den Vorteil, dass der minimalinvasive Eingriff auch bei Personen durchgeführt werden kann, bei denen eine Operation am offenen Herzen nicht in Frage kommt. In klinischen Studien waren die Erfolgsaussichten nach der M-TEER sehr gut. Die M-TEER-Methode gilt inzwischen als etablierte, prognoseverbessernde minimalinvasive Therapie, besonders für ältere Menschen mit einem hohen Risiko. Nach dem Eingriff verbesserten sich sowohl die Lebensqualität als auch die Herzfunktion deutlich.
DGK-zertifizierte Behandlungszentren
Für katheterbasierte Eingriffe an der Mitralklappe hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Qualitätskriterien definiert. Zertifizierte Zentren sollen eine hohe Behandlungsqualität sichern. Weitere Informationen finden Sie bei der DGK.