Einfluss des Versorgungssektors auf Patientenmanagement und Hospitalisierungsrate bei Erstdiagnose einer Herzinsuffizienz: Eine Beobachtungsstudie aus Nordwest-London mittels DiscoverNOW-Daten.

Julia Brandts (Aachen)1, M. Shah (London)2, P. Fenici (Cambridge)3, A. Cooper (Cambridge)3, A. Higgins (Cambridge)3, R. Stone (Cambridge)3, T. Kalamati (London)2, B. Pierce (London)2, C. Russell (London)2, N. Marx (Aachen)1, A. Bottle (London)4, K. Ray (London)4

1Uniklinik RWTH Aachen Med. Klinik I - Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin Aachen, Deutschland; 2Imperial College Health Partners London, Großbritannien; 3AstraZeneca Cambridge, Großbritannien; 4Imperial College London Public Health and Primary Care London, Großbritannien

 

Zielsetzung:

Diese Studie untersucht, inwieweit der Versorgungssektor, in dem die Erstdiagnose einer Herzinsuffizienz gestellt wird, das Patientenmanagement sowie medikamentöse Herzinsuffizienztherapie und die Rate von Krankenhausaufenthalten beeinflusst.

Methodik:

Elektronische Gesundheitsdaten des DiscoverNOW-Datensatzes von Patienten, die zwischen 2016 und 2020 in Nordwest-London eine Herzinsuffizienz-Diagnose erhielten, wurden retrospektiv ausgewertet. Patienten wurden basierend auf dem Versorgungssektor ihrer Diagnosestellung (ambulant oder Krankenhaus) eingeteilt und hinsichtlich ihrer Interaktionen mit dem Gesundheitssystem, der angewandten Herzinsuffizienztherapie sowie nachfolgender Krankenhausaufenthalte wurde deskriptiv und mit Cox-Regression, adjustiert für Alter, Geschlecht und Herzinsuffizienzmedikation, analysiert.

Ergebnisse:

Die Erstdiagnose Herzinsuffizienz wurde bei 34.018 Patienten in 68,0% der Fälle im Krankenhaus und bei 32,0% ambulant gestellt. Das mittlere Alter betrug 73 Jahre bei im Krankenhaus diagnostizierten Patienten und 72 Jahre bei ambulant diagnostizierten Patienten. 91% der Patienten hatten mindestens eine Begleiterkrankung, hauptsächlich Hypertonie, ischämische Herzkrankheit und/oder Typ-2-Diabetes. Bei ambulant diagnostizierten Patienten wurden im Vergleich zu Krankenhauspatienten häufiger NT-proBNP-Tests (8% versus 4%) und Echokardiographien (21% versus 12%) durchgeführt. Die pharmakologische Optimierung war in der ambulanten Gruppe mit 31% Betablocker-Titration gegenüber 25% im Krankenhaus höher. Die Titration von RAAS-Inhibitoren war mit 22% bzw. 21% vergleichbar. Innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose wurden 62,39% der Patienten hospitalisiert, wobei die im Krankenhaus erstmals diagnostizierte Gruppe ein signifikant höheres Re-Hospitalisierungsrisiko [HR= 1,39 (95% CI 1,35-1.43), P< 0,001] im weiteren Verlauf aufwies.

Fazit:

Patienten, deren Erstdiagnose der Herzinsuffizienz im ambulanten Sektor gestellt wird, scheinen anschließend ein günstigeres Patientenmanagement, mit häufigerer Optimierung der medikamentösen Therapie und geringerer Hospitalisierungsrate aufzuweisen. Somit könnte die frühzeitige Diagnose von Herzinsuffizienz im ambulanten Sektor mit einer gezielten Therapie bereits in der Primärversorgung die Patientenergebnisse verbessern.

Finanzierung: Diese Studie wurde von AstraZeneca finanziert.

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