Geschlechts- und altersspezifisches Sportverhalten bei stabilen kardiologischen Patienten

Nicole Brandl (Regensburg)1, T. Kerscher (Regensburg)2, L. Heislbetz (Regensburg)2, S. Wagner (Regensburg)1, L. S. Maier (Regensburg)1, K. Lange (Regensburg)2, A. Reißmann (Regensburg)2, M. Wester (Regensburg)1

1Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Med. II, Kardiologie Regensburg, Deutschland; 2Lehrstuhl für Gesundheitsforschung und Neuropsychologie Regensburg, Deutschland

 

Hintergrund: Aufgrund der vielfältigen positiven Effekte auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und Erkrankungen wird Sport in der Allgemeinbevölkerung und insbesondere bei kardiologischen Patienten empfohlen und stellt eine wichtige Säule der Sekundärprävention dar. Das tatsächliche Sportverhalten von kardiologischen Patienten und mögliche Einflussfaktoren darauf sind jedoch größtenteils unbekannt. Eine genaue Kenntnis ist jedoch für die Planung gezielter Interventionen zur Steigerung der Adhärenz an die Sportziele essenziell.

Methoden: Es wurden 88 stabile kardiologische Patienten aus einem großen Herzzentrum mittels standardisierter Fragebögen zum Sportverhalten und zu möglichen Einflussfaktoren befragt. Einschlusskriterien waren eine kardiologische Vorerkrankung sowie Alter ≥50 Jahre. Ausschlusskriterien waren kardiologische Erkrankungen, bei denen Sport nicht empfohlen wird (z.B. hochgradige Klappenvitien, ARVC), sowie andere Erkrankungen, die eine regelmäßige sportliche Betätigung verhindern (z.B. schwere Lungenerkrankung, schwere muskuloskelettale Erkrankungen). Zur Analyse wurde die Kohorte außerdem in drei Subgruppen-Paare unterteilt: nach Geschlecht, nach BMI (≥30 kg/m²) sowie nach Alter (≥67 Jahre). Das Sportausmaß wurde erfragt. Die metabolischen Einheiten (MET) jeder Sportart wurden mit der Dauer des Sports (in Minuten) multipliziert (MET-Minuten).

Ergebnisse: Das befragte Kollektiv war durchschnittlich 68±10 Jahre alt und zu 30% weiblich. Die häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen waren arterielle Hypertonie (81%) und koronare Herzerkrankung (71%). Nur 33% der Patienten machten regelmäßig Sport und nur 21% erreichten das WHO-Ziel von 600 MET-Minuten pro Woche (Abb. A+B). Die häufigste Sportart war Heimtraining mit einem Ergometer (16%), ansonsten waren die ausgeübten Sportarten sehr heterogen. Es gab keine Unterschiede im Sportausmaß zwischen den Geschlechtern oder nach Alter (Abb. C). Übergewichtige Patienten machten jedoch weniger Sport (Abb. C). Die wichtigsten Sportmotive (Abb. D) waren „Gesundheit“ und „Kognitive Funktionsfähigkeit“. Das Sportmotiv „Leistung/Wettkampf“ war bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Bei Übergewichtigen (BMI ≥30 kg/m²) war das Sportmotiv „Figur/Aussehen“ wichtiger. Dieses Sportmotiv war bei älteren Patienten (≥67 Jahre) weniger wichtig. Dafür war in dieser Gruppe der soziale Aspekt („Kontakt durch Sport“) besonders bedeutsam. Dies wird durch die Beobachtung bestätigt, dass ältere Patienten ohne Partner deutlich weniger Sport machten als ältere Patienten mit festem Partner. Von den untersuchten demographischen und psychologischen Faktoren sowie den erfassten Komorbiditäten war ein hohes Maß an sozialer Unterstützung ein Prädiktor für mehr Sport und Niereninsuffizienz sowie ein hohes Maß an Angst/Depression waren jeweils Prädiktoren für weniger Sport (Abb. E).

Zusammenfassung: Das allgemeine WHO-Sportziel wird vom Großteil der kardiologischen Patienten nicht erreicht. Gute Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit ist der wichtigste Motivator bei kardiologischen Patienten. Darüber hinaus gibt es wichtige alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Sportmotiven, deren Kenntnis für die gezielte Ansprache und Motivation zur Adhärenz an die Sportempfehlung wichtig ist. Soziale Unterstützung begünstigt ausreichendes Sportverhalten, Angst/Depression und Niereninsuffizienz reduzieren das Sportverhalten.



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