Nierenversagen durch PFA?

 

Generell ist die neuartige Pulse-Field-Ablationstechnologie (PFA) eine sichere und effektive Methode. Nun liegen erste Fallbericht von Nierenversagen, verursacht durch Hämolyse nach extensiver PFA-Anwendung vor.

 

Der Experte Prof. Heeger (Department für Rhythmologie, Asklepios Klinik Altona, Hamburg) ordnet die Ergebnisse einer aktuellen Beobachtungsstudie zu dem Thema ein und hat gute Nachrichten: Ein Nierenversagen kann verhindert werden.

Von:

Prof. Christian-Hendrik Heeger

AGEP-Nukleus

 

23.04.2024

 

 

 

Bildquelle (Bild oben): Yurchanka Siarhei / Shutterstock.com

PFA – Sicher sicher und effektiv

 

Die Katheterablation von Vorhofflimmern mittels Pulmonalvenenisolation (PVI) hat sich im klinischen Alltag bewährt. Dabei kamen bisher ausschließlich thermische Verfahren wie Kälteballon, Laserballon und vor allem Radiofrequenzenergie zum Einsatz. Anders als diese bisherigen Ablationsmethoden basiert die sogenannte Elektroporation oder auch PFA-Technologie nicht auf thermischen Effekten, sondern führt über einen elektrischen Impuls zur selektiven Ablation von Herzmuskelgewebe.1

 

Die Besonderheit hier: Das umliegende Gewebe, wie z.B. Ösophagus, Blutgefäße und Nervengewebe, wird überwiegend geschont im Vergleich zu thermischen Verfahren. Damit ermöglicht diese neuartige Technologie eine besonders präzise, effektive und sichere Ablation von Herzgewebe zur Therapie von Herzrhythmusstörungen. Die ersten Daten dieser neuen Technologie sind vielversprechend und weisen eine hohe Sicherheit und Effektivität auf.2 Als Nebenwirkungen wurden bisher lediglich subklinische Gefäßspasmen beschrieben, dagegen sind Ösophagus Schäden und anhaltende Schädigungen des Nervus phrenicus, auch nach > 40.000 behandelten Patienten, derzeit nicht bekannt.

Neue Herausforderungen

 

Allerdings gibt es seit 2023 erste Hinweise auf neue Herausforderungen durch Hämolyse und Hämoglobinurie verursachtes Nierenversagen nach PFA-basierter Ablation.3 In einer retrospektiven Untersuchung von Mohanty et al. wurde nun von weiteren Fällen von postprozeduraler Hämoglobinurie gefolgt von Nierenversagen als potenzielle Nebenwirkung der PFA-Methode berichtet.4

 

In dieser Studie wurden insgesamt 103 Patienten in 2 Phasen untersucht. Die ersten 28 Patienten (Gruppe 1) erhielten keine postprozedurale i.v. Flüssigkeitsgabe während die folgenden 75 Patienten (Gruppe 2) diese erhielten. 75 % der Patienten in Gruppe 1 wiesen nach 24 Stunden eine signifikante Hämoglobinurie mit zusätzlich signifikant erhöhten Kreatininwerten im Vergleich zur Baseline auf (1,46 ± 0,28 mg/dl vs. 0,86 ± 0,24 mg/dl p < 0,001). Bei 4 dieser Patienten (19 %) wurden Kreatininwerte von > 2,5 mg/dl gemessen. Interessanterweise war die Anzahl der PFA-Applikationen bei diesen 4 Patienten ebenfalls signifikant erhöht. In Gruppe 2 erhielten die Patienten einen postprozedurale i.v. Flüssigkeitstherapie. In dieser Gruppe wurden keine erhöhten Kreatininwerte nachgewiesen und Nierenschäden damit durch diese einfache Maßnahme verhindert.

Fazit

 

In seltenen Fällen mit extensiver Ablation außerhalb der Pulmonalvenen kann die PFA-Methode zu Hämolyse, Hämoglobinurie und Nierenversagen führen. Erfreulicherweise ist ein Hämolyse-bedingtes Nierenversagen nach PFA-basierter PVI extrem selten (0,03 %)5 und kann durch eine postprozedurale i.v. Flüssigkeitstherapie verhindert und damit das Risiko für Nierenschäden minimiert werden.


Referenzen

 

  1. Heeger C-H, Tilz RR. Pulsed-field ablation—are we ready for fast and furious atrial tachycardia ablation? J Interv Card Electrophysiol 2023;66:1773–1774.
  2. Turagam MKet al. Safety and Effectiveness of Pulsed Field Ablation to Treat Atrial Fibrillation: One-Year Outcomes From the MANIFEST-PF Registry. Circulation 2023;148:35–46.
  3. Venier S et al. Severe acute kidney injury related to haemolysis after pulsed field ablation for atrial fibrillation. Europace 2024;26:euad371.
  4. Mohanty S et al.. Acute Kidney Injury Resulting From Hemoglobinuria After Pulsed-Field Ablation in Atrial Fibrillation. JACC: Clin Electrophysiol 2024.
  5. Ekanem E et al. Multi-National Survey on the Safety of the Post-Approval Clinical Use of Pulsed Field Ablation in 17,000+ Patients (MANIFEST-17K). AHA 2023.  
     

Das könnte Sie auch interessieren

Update des Konsensus zur Ablation bei Vorhofflimmern

Mitautor Prof. Helmut Pürerfellner über Neuerungen, Kontroversen, aktuelle Herausforderungen und Zukunftstrends bei Ablation und Vorhofflimmern.

Überlegenheit der KI-gestützten Ablation bei persistierendem Vorhofflimmern

HRS-Kongress 2024 |TAILORED-AF: Studie zur zusätzlichen KI-gestützten Substratmodifikation gegenüber alleiniger PVI bei persistierendem Vorhofflimmern. Kommentiert von Dr. M. Gunawardene.

Neues System zur Katheterablation mittels PFA

HRS-Kongress 2024 | admIRE: Die US-Daten eines neuen PFA-Ablationssystems reihen sich an bereits publizierte Daten aus Europa und Kanada. Von Prof. C. H. Heeger.

Diese Seite teilen