DEGRO Akademie-Preis 2023: Mit Strahlen Arrhythmien bekämpfen

Der „3. Deutsche Interdisziplinäre Herz-Radiochirurgie Workshop“ wird heute während des 29. DEGRO-Kongresses mit dem Akademie-Preis 2023 ausgezeichnet. Mit der Veranstaltung konnte eine Plattform geschaffen werden, auf der sich Ärztinnen und Ärzte aus Kardiologie und Strahlentherapie über die stereotaktische Strahlentherapie ventrikulärer Tachykardien austauschen konnten.

Von: Melissa Wilke

23.06.2023

Die stereotaktische Strahlentherapie des arrhythmogenen Substrats, kurz STAR (engl. STereotactic Arrhythmia Radiomodulation/-ablation) ist eine neue Therapieoption, die vor allem dann zum Einsatz kommt, wenn die leitliniengerechte Behandlung ventrikulärer Tachykardien mit Antiarrhythmika, der Implantation eines ICD oder einer Katheterablation aufgrund von Komorbiditäten und/oder schwer zugänglichen Substraten nur schwer durchführbar sind. 

Besondere Herausforderungen der Herz-Radiochirurgie

Bei STAR stoßen Strahlentherapie und Kardiologie auf neue Herausforderungen. Denn diese Therapieform war bisher vor allem der onkologischen Therapie an nicht-beweglichen Organen vorbehalten.

„Herausforderungen liegen zum einen in der Darstellung des Zielvolumens am schlagenden Herzen. Zum anderen besteht eine Herausforderung darin, die elektroanatomische Information aus dem dreidimensionalen Mappingsystem für die Strahlentherapie zugänglich zu machen. Hier sind mittlerweile insbesondere durch die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen in Kiel Softwarelösungen entstanden, um dies realisieren zu können“, so Professor Daniel Steven, Sprecher der DGK-Arbeitsgruppe Elektrophysiologie und Rhythmologie (AGEP) und einer der Referierenden des „3. Deutschen Interdisziplinären Herz-Radiochirurgie Workshops“. 

Verschiedene Herangehensweisen durch Austausch vermitteln

Ein enger Austausch zwischen den Disziplinen ist also entscheidend. Der Workshop am Timmendorfer Strand, der unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Roland Tilz und Professor Dirk Rades aus Lübeck sowie Professor Jürgen Dunst aus Kiel und Professor Hendrik Bonnemeier aus Cuxhaven entwickelt wurde, diente als Plattform für die Intensivierung der Zusammenarbeit. So vermittelten die einzelnen Vorträge den Fachkräften aus der Radiologie die kardiologische Herangehensweise, während Kardiologinnen und Kardiologen ein gutes Verständnis für die strahlentherapeutische Perspektive auf die Herz-Radiochirurgie entwickeln konnten. Dabei wurden auch spezielle Fälle, wie der Einsatz von STAR bei ventrikulärem Sturm, und die genauen Techniken der stereotaktischen Bestrahlung diskutiert. 

Strukturelle Effekte der Herz-Radiochirurgie verstehen

Ein weiteres Thema des Workshops war, den Mechanismus der Ausbildung der myokardialen Läsion durch die Strahlentherapie zu erklären: „Hier sind unterschiedliche Aspekte noch nicht ganz vollständig verstanden. Zum einen ist die Frage der Bestrahlungsintensität noch nicht gänzlich geklärt. Darüber hinaus ist unklar, ob ein Effekt im Sinne der Narbenbildung im ventrikulären Myokard die Erklärung für die erfolgreichen Behandlungskonzepte sein kann. Möglicherweise ist der Einfluss der Strahlentherapie auch eher durch Veränderung der elektrischen Leitfähigkeit des Myokards erklärt“, so Steven.

Neues Positionspapier kommt im Februar 2024

Es gibt also noch viele Fragen, die interdisziplinär aufgearbeitet werden müssen. Ein Positionspapier der European Heart Rhythm Association (EHRA) ist für Februar 2024 geplant. Es wird klare Indikations- und Therapieanweisungen für dieses sehr neue Feld der Therapie von Herzrhythmusstörungen mittels Bestrahlung beinhalten.

Der nächste Herzworkshop findet in Berlin am 27/28. Oktober statt.  

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