E-Rezepte in der Praxis

 

Seit Anfang dieses Jahres ersetzen elektronische Rezepte das gewohnte rosafarbene Kassenrezept auf Papier. Wie verlief die Einführung des E-Rezepts in den Arztpraxen, wie sind die ersten Erfahrungen und welche häufigen Pannen und Probleme traten bisher auf? Hier ist ein Update rund um das Thema E-Rezepte.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

 

24.04.2024

 

 

 


Bildquelle (Bild oben): Gorodenkoff / Shutterstock.com

Hintergrund

 

Ärztinnen und Ärzte sind in Deutschland seit dem 1. Januar 2024 verpflichtet, bei Gesetzlich-Krankenversicherten E-Rezepte für verschreibungspflichtige Arzneimittel auszustellen. Nur wenn aus technischen Gründen die Ausstellung des E-Rezeptes nicht möglich ist sowie für einige Ausnahmen, wie u.a. Betäubungsmittel, Hilfsmittel und digitale Gesundheitsanwendungen, können Ärztinnen und Ärzte ersatzweise auf das Muster16-Formular zurückgreifen.

90 % der Ärzte nutzen E-Rezepte

 

Wie eine Umfrage vom 13. Februar 2024 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit über 5.000 teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten zeigte, nutzen 92 % der Arztpraxen E-Rezepte, die Hälfte stellt ausschließlich E-Rezepte aus und nur 8 % der Befragten verwenden weiterhin ausschließlich das Papierformular.1 Laut den Befragten hat die Umstellung auf das E-Rezept in 60 % der Arztpraxen ohne größere Probleme funktioniert. Als problematisch wird jedoch das Ausstellen der ausgedruckten Token-Rezepte für Pflegeheimbewohner angesehen sowie der hohe Zeitaufwand und technische Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Komfortsignatur. Weiterhin gaben 43 % der Befragten an, dass es zu häufigen Problemen beim Einlösen der E-Rezepte in der Apotheke kommt. Für die Zukunft wünschen sich die viele Niedergelassene, dass auch Hilfsmittel, Betäubungsmittel und Rezepte für Privatversicherte als E-Rezepte ausgestellt werden können.

Ausfälle im E-Rezept-System

 

Obwohl die Einführung der E-Rezepte größtenteils unproblematisch verlief, häuften sich in letzter Zeit die Meldungen über technische Probleme, insbesondere in den Morgenstunden sowohl in den Arztpraxen als auch in den Apotheken, wie das Ärzteblatt berichtete.2 Laut gematik (bundeseigene Agentur für digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen) sind wiederkehrende technische Beeinträchtigungen beim Anbieter medisign verantwortlich. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) kritisierte zuletzt eine inakzeptable Häufung an Ausfällen im E-Rezept-System.3 Der Hausärzteverband Nordrhein rief gemeinsam mit dem Verband medizinischer Fachberufe und Verband Deutscher Zahnärzte dazu auf, dass Hausärztinnen und Hausärzte täglich am Morgen bis 10 Uhr nur noch Papierrezepte ausstellen sollten.4

Fazit

 

Insgesamt ist die im Vergleich zum europäischen Ausland verspätete Einführung der E-Rezepte in Deutschland ohne größere Pannen verlaufen und wurde von der überwiegenden Mehrheit der Apotheken, Arztpraxen und Patienten und Patientinnen gut akzeptiert. Es bleibt zu hoffen, dass die technischen Schwierigkeiten - vor allem in den Morgenstunden und in Zusammenhang mit den Komfortsignaturen - bald behoben werden, damit die weiteren Schritte der Digitalisierung, wie die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) ab dem 15.01.2025 und die Hinzunahme der Betäubungsmittel zu den E-Rezept-Verordnungen ab dem 01.07.2024 wie geplant ablaufen können.


Referenzen

 

  1. https://www.kbv.de/media/sp/2023_02_13_Befragung_eRezept.pdf
  2. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/149915/Stoerungen-bei-E-Rezept-sorgen-fuer-Kritik
  3. https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/newsroom/detail/ausfaelle-im-e-rezept-system-sind-fuer-die-apothekerschaft-inakzeptabel/
  4. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/keine-e-rezepte-bis-10-uhr-146205/
  5. https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/ehealth/E-Rezept/ABDA_Umfrage_E_Rezept_2024.pdf

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