Heart Failure Units: So funktioniert das Konzept zur Behandlung der Herzschwäche

Die Herzschwäche gehört zu den häufigsten Herzkrankheiten und ist zudem Hauptgrund für Krankenhausaufenthalte. Viele Patientinnen und Patienten kommen mit schweren akuten Symptomen in die Klinik und benötigen sofortige, zielgerichtete Diagnostik und Therapie – und: eine strukturierte Nachsorge. Das gewährleisten Heart Failure Units. Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Pauschinger, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik 8 – Schwerpunkt Kardiologie und Rhythmologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität  Klinikum Nürnberg, erklärt, worum es dabei geht. 

Von Sandra Ahrens

 

25.03.2025


Bildquelle (Bild oben): iStock / Jacob Wackerhausen

Was sind Heart Failure Units?

 

Heart Failure Units sind ein ganzheitliches Konzept, das die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK), die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßerkrankungen und der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) entwickelt hat. Ziel ist es, Menschen mit Herzschwäche optimal zu behandeln. Das Konzept besteht aus mehreren Bausteinen – einer davon sind die tatsächlichen Heart Failure Units – also Stationen im Krankenhaus, auf denen Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten von speziell geschultem, interdisziplinärem Personal mit hoher Fachexpertise betreut werden und eine umfangreiche Diagnostik und Therapie erhalten. Weitere wichtige Bausteine sind aber auch überregionale HFU-Zentren und HFU-Schwerpunktpraxen, in denen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die Betroffenen nach der Zeit im Krankenhaus weiterbehandeln und erste Anlaufstelle bei neu auftretenden Symptomen sind.

 

 

Zum Experten

Prof. Dr. Matthias Pauschinger

Prof. Dr. Matthias Pauschinger ist Klinikdirektor der Med. Klinik 8 – Kardiologie – an der Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg.

Prof. Matthias Pauschinger
Bildquelle: RUDI OTT KLINIKUM NÜRNBERG

 

 

Wie viele solcher Heart Failure Units gibt es in Deutschland?


In Deutschland gibt es rund 235 HFU-Zentren, -Kliniken und -Praxen2. All diese Einrichtungen sind zertifiziert. Das heißt, sie erfüllen festgelegte Standards und Qualitätsmerkmale für die stationäre Versorgung und auch für die Behandlung danach. Kliniken, die sich diese Zertifizierung wünschen, müssen also nicht nur auf ihren Stationen höchste Maßstäbe erfüllen, sondern auch eine gute Verzahnung und Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Praxen gewährleisten.


Wo sich die nächste HFU in Ihrer Nähe befindet, sehen Sie HIER.


Warum ist eine solche Verzahnung so wichtig?

 

Sie soll verhindern, dass Patientinnen und Patienten nach ihrer Zeit im Krankenhaus in eine Versorgungslücke rutschen und schlimmstenfalls nach einigen Wochen wieder mit akuter Herzschwäche stationär aufgenommen werden müssen. Idealerweise erhalten Sie über das HFU-Konzept eine optimale Behandlung ihrer akuten Herzschwäche im Krankenhaus und danach eine ebenso optimale ambulante Weiterbetreuung, sodass die Patientinnen und Patienten gut mit ihrer Erkrankung leben können und keine weiteren Notfall-Situationen erleben müssen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser engen Verzahnung sind die sogenannten Heart-Failure-Nurses, also Herzinsuffizienz-Schwestern, die bereits im Krankenhaus die Patientinnen und Patienten kontaktieren und ihnen erste Schulungen zu ihrer Erkrankung anbieten. Darüber hinaus sind im ambulanten Bereich speziell ausgebildete Heart-Failure-MFAs (Medizinische Fachangestellte) für die enge Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten und dem stationären Bereich unabdingbar.

 

Bei welchen Symptomen sollten Betroffene denn hellhörig werden?

 

Häufig beginnt eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz zum Beispiel mit Wassereinlagerungen in den Beinen und Füßen oder mit Luftnot. Auch wenn sich die Patientin oder der Patient davon noch nicht stark beeinträchtigt fühlt, sind das triftige Gründe, sofort zum Arzt zu gehen. Ich rate allen Herzschwäche-Patientinnen und -Patienten sich täglich zu wiegen, um Wassereinlagerungen zu erkennen, den Blutdruck und Puls einmal am Tag zu messen und nicht mehr als 1,5 Liter Wasser zu trinken. Alles darüber hinaus belastet das Herz. Zudem sollten alle Herzschwäche-Betroffene sich gegen Influenza impfen lassen. Bei ihnen kann die Grippe schwere Folgen haben und weitere Infektionen nach sich ziehen. Auch die Pneumokokken-Impfung ist ratsam, da sie die Häufigkeit schwerer Herz-Kreislauf-Komplikationen reduziert. 

 

 

Weitere informative Artikel dazu finden Sie auf unserer Übersichtsseite Herzschwäche.

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