Ersetzt das MRT das Planungs-CT bei der TAVI?


Das CT im Vorfeld eines kathetergestützten Aortenklappenersatzes stellt den zentralen diagnostischen Pfeiler für die Prozedurplanung dar. Die Behandlung potentiell jüngerer Patienten in der Zukunft und die hohe Prävalenz der Niereninsuffizienz bei älteren Patienten rechtfertigen die Suche nach alternativer Bildgebung ohne Strahlung bzw. jodhaltiges Kontrastmittel. Ob das MRT eine gleichwertige Diagnostik ermöglicht, ist in randomisierten Studien bisher nicht untersucht. In der auf dem ESC-Kongress 2023 jetzt aus Innsbruck vorgestellten und mittlerweile in Circulation publizierten Studie widmeten sich die Autoren der Frage.1,2

Von:
Prof. Stephan Baldus
Herausgeber der Rubrik Strukturelle Herzerkrankungen
 

28.08.2023

 

Zu diesem Zweck initiierten die Autoren eine randomisierte Studie bei Patienten mit hochgradiger Aortenklappenstenose, die im Rahmen der Planung vor TAVI entweder einer Standard-CT-Diagnostik oder eine MRT-Diagnostik zugeführt wurden. Insgesamt wurden 180 Patienten in die Studie eingeschlossen, letztlich erhielten 138 Patienten nach MRT und 129 Patienten nach CT-Diagnostik eine Therapie.

 

Es handelte sich um ein gegenwärtig noch typisches Patienten-Kollektiv mit einem mittleren Alter von 82 beziehungsweise 83 Jahren und einem mittleren STS-Score von 4,3 bzw. 4,4% in der CT- bzw. MRT-Gruppe. 97 beziehungsweise 99 % der Patienten wiesen eine trikuspide Aortenklappe auf, die Therapie war leicht unbalanciert zugunsten mehr implantierter ballonexpandierbarer Prothesen in der CT-Gruppe.

Kein schlechteres Outcome

 

Die Studie erreichte den Endpunkt der Non-Inferiorität (p < 0,001). Insgesamt gab es kein Signal bezüglich eines schlechteren Outcomes von Patienten nach Planung mittels MRT – dies gilt auch für die Prothesenfunktion im Anschluss. Das in der CT-Gruppe beobachtete Signal zu mehr cerebraler Ischämie und höherer Schrittmacherimplantation ist am ehesten der kleinen Patientenzahl geschuldet. Das 6-Monats-Zeitfenster zeigte keine Unterschiede in der Prognose zwischen den beiden Gruppen.

Fazit

 

Natürlich hat diese Studie Limitationen, insbesondere die kleine Patientenzahl mit nicht unerheblichem Crossover zum CT in der MRT-Gruppe (gut 10 % der Patienten in der MRT-Gruppe erhielten ein CT) und die nicht balancierten Prothesentypen in den beiden Gruppen seien genannt. Trotzdem eröffnet diese Studie die Perspektive, dass der wichtigste Baustein in der TAVI-Planung in Zukunft auch strahlungsfrei erfolgen kann.


Referenz

  1. Reindl, M. The randomised TAVR-CMR Trial; Late-Breaking Science on imaging, ESC Congress 2023, Amsterdam, 25.–28. August.
  2. Reindl, M. et al. Cardiac Magnetic Resonance Imaging Versus Computed Tomography to Guide Transcatheter Aortic Valve Replacement (TAVR-CMR): A Randomized, Open-Label, Non-Inferiority Trial. Circulation. 27 Aug 2023. doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.123.066498

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