Einfluss von Colchicin auf Plaquelast bei stabiler KHK

 

ACC-Kongress 2025 | EKSTROM: Die EKSTROM-Studie untersuchte bei Patientinnen und Patienten mit stabiler KHK den Einfluss einer täglichen Colchicin-Gabe über 12 Monate auf vulnerable, aber auch stabile Plaques, um so den positiven Effekt von Colchicin fundierter erklären zu können.

 

PD Dr. Luise Gaede (Erlangen) fasst die Studie zusammen und kommentiert.

 

Von:

PD Dr. Luise Gaede

Rubrikleiterin Vaskuläre Herzerkrankungen

 

31.03.2025

 

Bildquelle (Bild oben): David Harmantas / Shutterstock.com

Bisheriger Stand der Forschung

Inflammation spielt eine Rolle in der Entstehung der Atherosklerose und wird daher mit kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gebracht. Colchicin zeigte daher sowohl bei Patientinnen und Patienten nach akutem Myokardinfarkt (COLCOT) wie auch bei Personen mit chronischem Koronarsyndrom (LoDoCo2) einen positiven Effekt. Eine Substudie der COLCOT-Studie, die Plaques von 128 Patientinnen und Patienten anhand von serieller, invasiver OCT (Optische Kohärenztomographie) Bildgebung analysierte, legte nahe, dass dieser Effekt durch eine Plaquestabilisierung erreicht werden könnte.

 

Die EKSTROM-Studie untersuchte nun, ob diese Plaquestabilisierung auch bei Patientinnen und Patienten mit stabiler KHK beobachtet werden kann und nutzte hierfür die nicht invasive koronare Computertomographie (CCTA) zur Analyse der Plaques.

Methodik der Studie

 

Die EKSTROM-Studie schloss Patientinnen und Patienten mit nachgewiesener KHK (Angiographie oder CCTA) und klinisch stabilem Befund über die letzten 6 Monate ein. Patientinnen und Patienten mit einer Niereninsuffizienz (GFR <50mL/min/1,73m²), mit Symptomen einer Herzinsuffizienz NYHA III/IV oder mehr als moderaten Klappenvitien wurden ausgeschlossen.

 

Es erfolgte die 1:1-Randomisierung zur Colchicin- (0,5 mg/Tag) oder Placebo-Therapie. Alle Patientinnen und Patienten erhielten ein CCTA zu Beginn der Studie und 1 Jahr nach Randomisierung.

 

Der primäre Endpunkt war die Veränderung des Volumens der Plaques mit geringer Dichte, also der instabilen Plaques. Zusätzlich wurde das gesamte Plaquevolumen sowie die Veränderungen weiterer Plaques analysiert.

Ergebnisse

 

Es wurden 84 Patientinnen und Patienten 1:1 randomisiert. Nach einem Jahr zeigte sich keinerlei Veränderung in dem Plaquevolumen der instabilen Plaques in beiden Gruppen, jedoch eine deutlich geringere Progression der gesamten Plaquelast in der Colchicingruppe (Percent Atheroma Volume (PAV) 0,3 % vs. 1,4 %, p=0,015). Insbesondere lag dies an einer signifikant geringeren Zunahme von dichten kalzifizierten Plaques in der Colchicingruppe (PAV 0,1 % vs. 1 %, p=0,009).

 

In den zudem genommenen Laborproben zeigte sich eine kontante Abnahme des hoch-sensitiven CRP (0,9 Baseline, 0,35 nach 1 Jahr) über das Beobachtungsjahr, während die Werte in der Placebogruppe etwas schwankend relativ stabil blieben (0,8 Baseline, 0,65 nach 1 Jahr.

Kommentar

 

Die EKSTROM-Studie hat an einem sehr kleinen Patientenkollektiv Veränderungen der weiteren Entwicklung der Gesamtplaquelast bei Patientinnen und Patienten mit stabiler KHK im CCTA durch die tägliche Gabe von Colchicin zeigen können. Während die erwartete Verminderung vulnerabler Plaques nicht eintrat, hatte Colchicin einen hemmenden Einfluss auf die Progression der Gesamtplaquelast und vor allem auf die Ausbildung von dichten kalzifizierten Plaques.

Fazit für die Praxis 

 

Die EKSTROM-Studie ist aufgrund der kleinen Studiengröße sicherlich primär Hypothesen generierend. Die positiven Ergebnisse der LoDoCo2-Studie könnten also teilweise auf eine Verminderung der gesamten Plaqueprogression und somit der Progression der KHK durch die Gabe von Colchicin zurückzuführen sein und nicht durch eine Reduktion der schon bestehenden teilweise vulnerablen Plaques. Dies müsste jedoch an einer noch größeren Kohorte und möglicherweise auch mittels intravaskulärer Bildgebung weiter untersucht werden.

Zur Autorin

PD Dr. Luise Gaede

Priv.-Doz. Dr. Luise Gaede ist als Oberärztin des Herzkatheterlabors der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Erlangen tätig. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie, Herzinsuffizienz sowie Intensiv- & Notfallmedizin. 

Prof. Tommaso Gori

Referenz

 

Budoff MJ et al. Effect Of Colchicine On Progression Of Known Coronary Atherosclerosis In Patients With Stable Coronary Artery Disease Compared To Placebo. R5: 112 - Featured Clinical Research V 31.03.  11-12., Chicago, ACC 2025

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