Blutdruck-Messung: Size matters!

 

In der randomisierten Cuff(SZ)-Cross-over-Studie untersuchten Prof. Ishigami et al. von der John-Hopkins-Universität in Baltimore den Einfluss der Oberarmmanschettengröße auf die Genauigkeit der automatisierten Praxisblutdruckmessung.1 Während die Effekte unterschiedlicher Manschettengrößen auf die Ergebnisse einer manuellen (auskultatorischen) Praxisblutdruckmessung gut untersucht sind, gab es für die automatisierte Praxisblutdruckmessung, die von den aktuellen Bluthochdruckleitlinien fast allen Patientinnen und Patienten empfohlen wird,2,3 nur wenige Daten aus Observationsstudien.

Von:

Dr. Lucas Lauder

Homburg/Saar

Prof. Felix Mahfoud
Basel, Schweiz

 

25.04.2024

Insgesamt wurden 195 Erwachsene (mittleres Alter 54 Jahre, 66 % Frauen), jeweils zur Hälfte mit und zur Hälfte ohne vorbekannte arterielle Hypertonie, in die Cuff(SZ)-Studie eingeschlossen. 20 % der Patientinnen und Patienten hatten einen Diabetes mellitus. Der mittlere Body-Maß-Index lag bei 28,8 kg/m2. Bei allen Patientinnen und Patienten erfolgten in randomisierter Reihenfolge 4 standardisierte Blutdruckmessungen aus jeweils 3 Einzelmessungen mit einem automatisierten Oberarmmessgerät (ProBP 2000 Digital Blood Pressure Device, Welch Allyn, Skaneateles Falls, NY, USA). Die ersten 3 Messzyklen wurden in randomisierter Reihenfolge mit den 3 unpassenden, also zu großen bzw. zu kleinen Manschetten durchgeführt (Größe „klein“ passend für einen Oberarmumfang von 22–26 cm, „normal“ für 27–34 cm, „groß“ für 35–44 cm und „sehr groß“ für 45–52 cm). Abschließend erfolgte eine 4. Messung mit der passenden Manschette.

 

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind, dass
 

  • die „normal“ große Blutdruckmanschette für weniger als ein Drittel (28 %) der Patientinnen und Patienten geeignet war, wohingegen etwas mehr als die Hälfte (55 %) der Patientinnen und Patienten eine größere Manschette benötigten und
  • die Verwendung einer zu kleinen Manschettengröße den systolischen und diastolischen Blutdruck deutlich überschätzte. Durch die Verwendung einer um 2 Größen zu kleinen Manschette, zum Beispiel „normal“ statt „sehr groß“, wich der Blutdruck um +19,5 mmHg systolisch und +7,4 mmHg diastolisch ab.

 

Die Cuff(SZ) Studie zeigt eindrücklich, wie wichtig die Auswahl der korrekten Manschettengröße für die Genauigkeit einer Blutdruckmessung ist. Insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ist die „normal“ große Blutdruckmanschette (häufig die einzige beim Kauf eines Messgeräts mitgelieferte Manschette) für die meisten Patientinnen und Patienten zu klein. Die Abweichung des gemessenen Blutdrucks vom tatsächlichen Blutdruck durch die Verwendung einer zu großen oder kleinen Blutdruckmanschette kann zu einer Fehldiagnose führen und die Diskrepanz zwischen dem gemessenen und dem tatsächlichen Blutdruck kann den durchschnittlichen blutdrucksenkenden Effekt der meisten Antihypertensiva übersteigen.


Referenzen

 

  1. Ishigami J et al. Effects of Cuff Size on the Accuracy of Blood Pressure Readings: The Cuff(SZ) Randomized Crossover Trial. JAMA Intern Med. 2023;183:1061-1068. doi: 10.1001/jamainternmed.2023.3264
  2. Mancia G et al. 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension The Task Force for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension: Endorsed by the International Society of Hypertension (ISH) and the European Renal Association (ERA). J Hypertens. 2023;41:1874-2071. doi: 10.1097/HJH.0000000000003480
  3. Whelton PK et al. 2017 ACC/AHA/AAPA/ABC/ACPM/AGS/APhA/ASH/ASPC/NMA/PCNA Guideline for the Prevention, Detection, Evaluation, and Management of High Blood Pressure in Adults: Executive Summary: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines. Hypertension. 2018;71:1269-1324. doi: 10.1161/HYP.0000000000000066

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