Bessere CT-Untersuchung für Verkalkungen bei Hochrisiko-Patienten

Bei Patientinnen und Patienten mit vielen Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen ist es bislang schwierig, mithilfe einer klassischen Computertomografie-Untersuchung herauszufinden, ob bereits Blutgefäße verstopft sind. Die verbesserte Bildqualität der neuen Photon-Counting-Computertomografie zeigte in einer Studie sehr viel präzisere Ergebnisse – allerdings mit etwas höherer Strahlung. 

Von Sven Stein

 

11.12.2023


Bildquelle (Bild oben): Siemens Healthineers

Patientinnen und Patienten mit einem hohen Risiko einer koronaren Herzkrankheit können erstmals durch ein neues Computertomografie-Verfahren sehr genau von außen untersucht werden, wo sonst schnell eine Herzkatheteruntersuchung nötig gewesen wäre. In einer Studie des Universitätsklinikums Freiburg zeigte sich, dass sich mit der sogenannten photonzählenden Computertomografie (Photon-Counting-Computertomografie) sehr präzise erkennen oder ausschließen ließ, ob eine Patientin oder Patient an einer koronaren Herzkrankheit leidet.

 

Bei einer koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgen, durch Verkalkungen (Plaques) verengt. Bei Menschen mit einem geringen oder mittleren Risiko solcher Verkalkungen lässt sich eine koronare Herzkrankheit gut durch eine klassische Computertomografie des Herzens (koronare CT-Angiographie) ausschließen. Bei Patientinnen und Patienten mit einem hohen Risiko ist diese Untersuchung per Computertomografie jedoch schwierig, weil Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen oft größer erscheinen, als sie tatsächlich sind. Dadurch können die Verkalkungen und Verengungen überbewertet werden. Patientinnen und Patienten werden dann überbehandelt. Die Betroffenen werden schnell zu einer Herzkatheteruntersuchung überwiesen oder zusätzlich per Magnetresonanztomografie untersucht.

 

Gute bis hervorragende Bildqualität der Photon-Counting-Computertomografie

Die neue photonzählende Computertomografie liefert nun besonders hochauflösende Bilder des Herzens, auf denen die Verkalkungen in Herzkranzgefäßen deutlich zu erkennen sind. Anhand der Bilder ließ sich sehr genau erkennen oder ausschließen, ob eine koronare Herzkrankheit vorliegt. Die Forscherinnen und Forscher bewerteten die Bildqualität in fast 80 Prozent der Fälle als gut oder hervorragend.

Dreidimensionale Aufnahme eines Herzens, aufgenommen mit photonzählender Computertomografie. Das Herz einer 87-jährigen Patientin im Photon-Counting-CT: Trotz sehr schwerer Verkalkungen an den Gefäßwänden konnten verstopfte Gefäße ausgeschlossen werden. Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

Für die Studie wurden 68 Patientinnen und Patienten mit einer bestehenden Aortenklappenstenose auf eine koronare Herzkrankheit untersucht. Die Ärztinnen und Ärzte fertigten dafür Bilder mit der photonzählenden Computertomografie an und verglichen die Aufnahmen mit den Ergebnissen von Herzkatheteruntersuchungen (Koronarangiografie), die als Referenz dienten.

 

Photon-Counting-Computertomografie bislang wenig verbreitet

Die photonzählende Computertomografie benötigt weniger Strahlung, um vergleichbar gute Bilder wie ein klassisches Computertomografie-Gerät zu liefern. Für die hohe Bildqualität, die in dieser Studie verwendet wurde, war jedoch eine etwas höhere Strahlung als bei der klassischen Computertomografie notwendig. Daher empfehlen die Forscherinnen und Forscher die photonzählende Computertomografie zunächst für Menschen mit hohem Risiko einer koronaren Herzkrankheit, da sie von dieser Bildqualität besonders profitieren.

 

Noch sind Geräte für eine photonzählende Computertomografie weltweit recht selten. Expertinnen und Experten rechnen aber damit, dass sich die Technologie in den nächsten zehn Jahren zunehmend verbreiten wird.

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