STEP-HFpEF-DM: Semaglutid auch bei Herzinsuffizienz und Typ 2 Diabetes 

 

ACC-Kongress 2024 | STEP-HFpEF-DM-Studie: Semaglutid zeigte bei Patienten mit Adipositas, Typ 2 Diabetes und symptomatischer Herzinsuffizienz (LVEF ≥ 45 % und weiteren Markern für strukturelle und funktionelle Auffälligkeiten) eine signifikant größere Verbesserung in beiden dualen primären Endpunkten, Verbesserung der Lebensqualität und Abnahme von Körpergewicht, als Placebo. Auch die sekundären Endpunkte, Veränderung im 6 Minuten Gehtest (6 MWD), Win Ratio (Mortalität, Herzinsuffizienz-Hospitalisierung, KCCQ und 6 MWD), und Reduktion der Inflammation wurden erreicht. Sicherheit und Verträglichkeit von Semaglutid wurden bestätigt. 

Eine Einordnung der Studienergebnisse lesen Sie abschließend im Kommentar.

Von:

Prof. Birgit Aßmus

Rubrikleiterin Herzinsuffizienz

 

09.04.2023

 

Bildquelle (Bild oben): Joseph Sohm / Shutterstock.com

Methodik

 

In der randomisierten, doppel-blinden Placebo-kontrollierten multizentrischen Studie wurden 616 Patienten mit Adipositas (BMI ≥ 30), Typ 2 Diabetes mellitus und symptomatischer Herzinsuffizienz NYHA II bis ambulant NYHA IV sowie LVEF ≥ 45 % mit weiteren Markern für strukturelle und funktionelle Auffälligkeiten eingeschlossen. Es erfolgte eine Randomisierung auf Semaglutid 2,4 mg s.c. 1 x / Woche (schrittweise aufdosiert) oder Placebo. Der duale primäre Endpunkt waren Verbesserung der Lebensqualität (KCCQ-clinical summary score) und Gewichtsreduktion nach 52 Wochen.

Baseline-Daten

 

Die eingeschlossenen Patienten waren 69 Jahre alt und zu 44 % weiblich, der mediane BMI war bei 37. Die Baseline LVEF betrug 56 % im Median. 71 % der Patienten waren im Stadium NYHA II, und das mediane NT-proBNP lag bei 493 pg/ml. 39 % hatten zusätzlich Vorhofflimmern, und 85 % eine art. Hypertonie. Die Begleittherapie umfasste zu 83 % Betablocker, je 81 % RAAS-Inhibitoren und Diuretika, sowie jeweils 33 % MRA und SGLT-2-I.

Ergebnisse primärer Endpunkt 

 

Der duale primäre Endpunkt zeigte einen signifikanten Unterschied bei der Lebensqualität von 7,3 Punkten (95 % CI 4.1 – 10,4; p<0,001) im KCCQ-CSS, sowie eine -6,4 % größere Gewichtsreduktion (95 % CI -7,6 - -5.3; p<0,001), jeweils zugunsten der mit Semaglutid behandelten Patienten.

Ergebnisse weiterer Endpunkte

 

Bezüglich der sekundären Endpunkte zeigten sich signifikante Unterschiede, alle zugunsten der Semaglutid-Gruppe, von 14,3 m (95 % CI 3,7 – 24,9; p=0,008) im 6-Minuten Gehtest, ein signifikanter Vorteil in der hierarchisch stratifizierten Win-Ratio von 1,58 (95 % CI 1,29 – 1,94, p<0,001; umfassend die folgenden Einzelkomponenten Zeit bis zum Tod, Anzahl der Herzinsuffizienz-Ereignisse, Zeit bis zum ersten Herzinsuffizienz-Ereignis, Veränderung des KCCQ um ≥15, ≥10 oder ≥ 5 Punkte, sowie Verbesserung im 6 MWT um ≥ 30 m), sowie eine signifikante Reduktion des inflammatorischen Markers hoch-sensitives C-reaktives Protein (Differenz mittlere hsCRP Ratio 0,67 (95% CI 0,55-0,80,; p<0,001). Als exploratorische Endpunkte zeigte sich eine signifikant größere Reduktion im NT-proBNP. Weitere Analysen bezüglich der Semaglutid-Wirkung bezüglich einer begleitenden SGLT-2-Inhibitor-Therapie zeigten keinen Unterschied in der Lebensqualität, und eine gerade so signifikant größere Gewichtsabnahme bei den Patienten ohne SGLT-2-i Begleittherapie.

 

Bezüglich der Sicherheit und Verträglichkeit der Studientherapie zeigten sich weniger schwerwiegende adverse Ereignisse in der Semaglutid-Gruppe, sowie keine Auffälligkeiten bezüglich diabetischer Komplikationen.

Im Vergleich zur STEP-HFpEF Studie (vergleichbares Patientenkollektiv ohne das Einschlußkriterium Diabetes mellitus Typ 2) fand sich bei vergleichbarer Verbesserung der Lebensqualität bei Diabetes Patienten eine geringere Gewichtsreduktion ein geringerer Gewinn an Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest, jedoch ein deutlich größerer Effekt auf die Herzinsuffizienz-Ereignisse.

Kommentar 

 

Die Daten der STEP-HFpEF-DM-Studie bestätigen das grundsätzliche Potential von Semaglutid, neben einer signifikanten Verbesserung von Lebensqualität und Körpergewichts über eine signifikante Reduktion der Inflammation gerade bei Risikopatienten mit Diabetes mellitus Typ 2 auch klinische Endpunkte wie Herzinsuffizienzereignisse zu reduzieren. Entsprechend gepowerte Endpunktstudien müssen hier für die entsprechende Evaluation jedoch abgewartet werden.


Referenzen

 

  • Kosiborod, Mikhail N. Semaglutide in patients with obesity-related heart failure with preserved ejection fraction and type 2 diabetes Saturday, April 6, 2024, 4:15 am - 5:30 am. Late Breaking Clinical Trails I; ACC 2024.
  • Kosiborod, Mikhail N. et al. Semaglutide in Patients with Obesity-Related Heart Failure and Type 2 Diabetes. In: NEJM. Published: April 6, 2024. DOI: 10.1056/NEJMoa2313917

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