Wie Semaglutid bei Herzinsuffizienz und Adipositas helfen kann

 

Die auf dem ESC-Kongress 2023 von Mikhael Kosiborod vorgestellte STEP-HFpEF-Studie zeigt, dass Semaglutid bei HFpEF-Patienten mit Adipositas nicht nur das Körpergewicht reduziert, sondern auch Lebensqualität, Gehstrecke und Biomarker verbessert.1,2 Prof. Birgit Aßmus, Herausgeberin der Rubrik „Herzinsuffizienz“ bei Herzmedizin.de, ordnet die Ergebnisse ein.

Von:
Prof. Birgit Aßmus
Herausgeberin der Rubrik Herzinsuffizienz
 

28.08.2023

ESC Hot Line zur STEP-HFpEF-Studie

 

Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) leiden zu über 50% zusätzlich an Übergewicht und Adipositas. Diese Komorbidität verstärkt die Symptome und funktionellen Einschränkungen der Patienten. In der aktuell vorgestellten STEP-HFpEF-Studie kam es durch die Gabe von Semaglutid, im Vergleich zu Placebo, nach einem Jahr zu einer stärkeren Verbesserung der Lebensqualität und der Gehstrecke, sowie einer signifikanten Reduktion des Körpergewichts. Dies war verbunden mit einer ebenfalls stärkeren Reduktion von NT-proBNP und C-reaktivem Protein. Somit konnte erstmalig gezeigt werden, das Semaglutid bei Patienten mit HFpEF und Übergewicht / Adipositas eine funktionelle Verbesserung bewirkt. Inwiefern hierdurch das ereignisfreie Überleben beeinflusst wird, ist Gegenstand aktueller, weiterer Studien.

So wurde bei der Studie vorgegangen

 

In der randomisierten, doppel-blinden multizentrischen und internationalen Studie wurden 529 Patienten mit HFpEF (LVEF ≥ 45 %) in den NYHA-Klassen II-IV eingeschlossen, wenn parallel der BMI ≥ 30 kg/m² lag und eine relevante Einschränkung der mittels KCCQ gemessenen Lebensqualität (Clinical Summary Score (CSS) < 90) war. Die Patienten erhielten nach einem Auftitrierungsschema 2,4 mg Semaglutid s.c. einmal in der Woche oder Placebo für 52 Wochen. Die Studie hatte zwei ko-primäre Endpunkte: 1. Veränderung der KCCQ-CSS und 2. Veränderung des Körpergewichts, jeweils 52 Wochen nach Studienbeginn.

Es wurden funktionell deutlich eingeschränkte Patienten in die Studie rekrutiert

 

Von den eingeschlossenen Patienten waren 56 % Frauen, das mediane Alter lag bei 69 Jahren und der mediane BMI bei 37 kg/m². Die Patienten waren zu 33% in der NYHA-Klasse III-IV, der KCCQ-CSS lag zu beginn bei 59 Punkten und die Distanz im 6-Minuten-Gehtest lag bei 320 m (alle Werte als Median angegeben).

Ko-primäre Endpunkte: Lebensqualität steigt, Körpergewicht sinkt

 

Patienten in der Semaglutid-Gruppe hatten eine mittlere Verbesserung des KCCQ-CSS von 16,6 Punkten, während die Patienten in der Placebo-Gruppe eine mittlere Verbesserung von 8,7 Punkten aufwiesen (estimated treatment difference 7,8 Punkte, 95-%-Konfidenz-Intervall 4,8 bis 10,9; p < 0,001). Ebenso zeigte sich in der Semaglutid-Gruppe eine mittlere Körpergewichtsabnahme von 13 % im Vergleich zu knapp 3 % in der Placebo-Gruppe (estimated treatment difference 10,7%, 95-%-KI -11,9 bis -9,4; p < 0,001).

Stärkere symptomatische Verbesserung und Gewichtsreduktion nach 1 Jahr mit Semaglutid

 

Alle weiteren sekundären Endpunkte wurden in der Studie ebenfalls erreicht. Diese umfassten zum einen eine stärkere Verbesserung im 6-Minuten-Gehtest (knapp 22 m längere Gehstrecke), zum anderen wurde für hierarchisch gegliederte klinische Endpunkte, welche Mortalität, Herzinsuffizienz-Ereignisse und Verbesserung der Lebensqualität (KCCQ-CSS) beinhalteten, eine sogenannte „win-ratio“ gebildet. Auch hier zeigte sich eine Überlegenheit zugunsten von Semaglutid.


Schließlich zeigte sich unter Semaglutid auch eine signifikante Reduktion des Inflammations-Markers C-reaktives Protein. In exploratorischen Analysen wurde zudem der Herzinsuffizienz-Marker NT-proBNP untersucht, welches entsprechend der Literatur mit zunehmender Adipositas niedrigere Serumspiegel aufweist. Interessanterweise kam es in der Studie parallel zu der signifikanten Gewichtsreduktion auch zu einer signifikanten Reduktion des NT-proBNPs nach 1 Jahr in der Semaglutid- im Vergleich zur Placebo-Gruppe.

Fazit des Vortragenden

 

In der Zusammenfassung schlussfolgert der Sprecher, Mikhael Kosiborod, das Semaglutid nun als erste Substanz gezeigt hat, dass spezifisch Adipositas bei Patienten mit HFpEF adressiert werden kann, und dass insbesondere das Ausmaß der symptomatischen Verbesserung der Patienten zuvor noch mit keiner anderen Substanz beobachtet werden konnte.

Persönliche Einordnung

 

Die Ergebnisse sind vielversprechend für zahlreiche Patienten, die neben HFpEF auch an Adipositas leiden. Inwiefern durch die medikamentöse Therapie der Adipositas zum einen die der HFpEF pathophysiologisch zugrundeliegenden erhöhten Füllungsdrücke und die verminderte Ventrikelcompliance positiv verändert werden, und zum anderen auch klinische Endpunkte wie Herzinsuffizienz-bedingte Hospitalisierungen vermindert werden, wurde aktuell nicht untersucht und ist Gegenstand derzeit laufender Studien.


Im Vergleich zu anderen Maßnahmen wie bariatrischer Operation könnte die medikamentöse Therapie zumindest eine Brücke darstellen, um auch Patienten mit Adipositas und HFpEF in die Lage zu versetzen, durch körperliche Aktivität zusätzlich zur pharmakologischen Therapie ihre Erkrankung besser zu behandeln.


Referenz

  1. Kosiborod M. STEP HFpEF: once-weekly semaglutide in people with HFpEF and obesity. Hot Line 1, ESC-Kongress 2023, Amsterdam, 25.–28. August.
  2. Kosiborod M. et al. Semaglutide in Patients with Heart Failure with Preserved Ejection Fraction and Obesity. NEJM August 25, 2023. DOI: 10.1056/NEJMoa2306963

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