Senkt die Bluttransfusion nach einem akuten Myokardinfarkt die Mortalität?

 

AHA-Kongress 2023 | Das Ziel der MINT-Studie, die in der Late Breaking Session 2 in Philadelphia vorgestellt wurde,1,2 war der Nachweis, ob eine liberale Bluttransfusionsstrategie bei Patient:innen nach einem akuten Myokardinfarkt und vorbestehender Anämie, die Gesamttodesrate oder Myokardinfarktsrate nach 30 Tagen reduzieren kann.

Von:

Dr. Ornela Velollari

Prof. Tommaso Gori – Herausgeber der Rubrik Vaskuläre Herzerkrankungen

 

11.11.2023

 

Bildquelle (Bild oben): AevanStock / Shutterstock.com

Methodik

 

In dieser randomisierten, multizentrischen, internationalen Studie wurden insgesamt 3.500 Patient:innen eingeschlossen: Alter 72,1 Jahre; 45,5 % weiblich; Hämoglobin 8,6 g/dl; mit akutem Myokardinfarkt  Typ 1 (55,8 %), 2 (41,7 %), 4b oder 4c und Anämie mit einem Hämoglobinwert < 10 g/dl. Die Patient:innen der liberalen Gruppe bekamen Bluttransfusionen bei einem Hämoglobinwert < 10 g/dl und weitere Transfusionen bis für 30 Tage danach oder bis zur Entlassung, um den Cutoff-Wert von 10 g/dl aufrechtzuerhalten. In der restriktiven Gruppe wurden Bluttransfusionen bei einem Hämoglobinwert < 8 g/dl erlaubt und < 7 g/dl dringlich empfohlen oder wenn anginöse Beschwerden nicht ausreichend medikamentös behandelt werden konnten. Der primäre Endpunkt der Studie war die Gesamttodesrate oder Gesamt-Myokardinfarktsrate nach 30 Tagen.

Ergebnisse

 

Die Inzidenz des primären klinischen Endpunkts war 16,9 % in der restriktiven Gruppe vs. 14,5 % in der liberalen Gruppe (RR 1,15; 95-%-KI 0,99-1,34; p = 0,07). In einer Subkohortenanalyse zeigte sich ein erhöhtes Risiko für den primären klinischen Endpunkt für den Myokardinfarkt Typ I (RR 1,32; 95-%-KI 1,04-1,67). Innerhalb von 30 Tagen betrug die MI-Rate 8,5 % vs. 7,2 % (RR 1,19; 95-%-KI 0,94-1,49) und die Todesrate 9,9 % vs. 8,3 % (RR 1,19; 95-%-KI 0,96-1,47). Außerdem zeigte sich eine höhere Rate an kardiovaskulärem Tod in der restriktiven Gruppe (5,2 % vs. 3,2 %; RR 1,74; 95-%-KI 1,26-2,40). Insgesamt zeigte sich eine erhöhte Inzidenz des Composite-Endpunkts aus Gesamttodesrate, MI-Rate, Ischämie-bedingte nicht geplante Revaskularisation sowie stationäre Aufnahme aufgrund eines ischämischen kardiovaskulären Ereignisses nach 30 Tagen in der restriktiven Gruppe (19,6 % vs. 17,4 %; RR 1,13; 95-%-KI 0,98-1,29).

Limitationen

 

Die Studie war durch das offene, nicht-Placebo-kontrollierte Design limitiert. Außerdem wurde das Outcome zwischen Patient:innen nach einer Transfusion bei einem Hämoglobinwert von 7 g/dl und 8 g/dl nicht verglichen.

Fazit

 

Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass eine liberale Transfusionsstrategie das Risiko für einen rezidivierenden Myokardinfarkt oder Tod nach 30 Tagen nicht signifikant reduzieren kann. Gleichzeitig wurde in der Studie auf ein klinisches Nutzen von der liberalen Transfusionsstrategie mit niedrigem Nebenwirkungsrisiko hingewiesen.

Referenzen

  1. Carson JL. Restrictive versus Liberal Blood Transfusion in Patients With Myocardial Infarction and Anemia: Results of the MINT Trial. Late Breaking Science 2, AHA-Kongress 2023, Philadelphia, 11.–13. November.
  2. Carson JL et al. Restrictive or Liberal Transfusion Strategy in Myocardial Infarction and Anemia. N Engl J Med. 2023 Nov 11. doi: 10.1056/NEJMoa2307983. Epub ahead of print. PMID: 37952133.

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