„The New CardioBiology“ – ein EMBO-Workshop als neue wissenschaftliche Konferenz

 

Heidelberg | 20.-23. Februar 2024 

Von:

Prof. Johannes Backs

Herausgeber der Rubrik "Basic Science"

 

25.01.2024

Stressfaktoren und Alterungsprozesse lassen zunehmend mehrere Organe gleichzeitig erkranken. Daher wird eine systemische Betrachtung von Multiorganleiden unerlässlich. Das Herz-Kreislauf-System ist ein multizelluläres und weit verzweigtes Organ, das aus dem Herzen, einem Netz von Gefäßen und dem zirkulierenden Blut besteht und somit ein komplexes, voneinander abhängiges System bildet, dessen Funktionsstörungen die Hauptursache für die menschliche Sterblichkeit sind. Dieses hochvernetzte System wiederum verbindet alle Organe miteinander und ist daher prädestiniert als das System angesehen zu werden, dass Multiorganleiden treibt.

Die heutige Biomedizin ist hochspezialisiert und überwiegend organzentriert

 

Wir detektieren und verstehen mittlerweile die molekularen Veränderungen im Herzen oder im Blutgefäß mit großer Präzision. Allerdings beginnen wir erst allmählich die Auswirkungen auf andere Organe zu verstehen. Blutzellen können Erkrankungen des Herzens bewirken, und Herzzellen können Entzündungsprozesse in entfernten Organen auslösen. Eine deutliche Verbesserung der Modellierung komplexer Erkrankungen und stetige technologische Revolutionen bei Hochdurchsatz-Verfahren zur Detektion molekularer, metabolischer und zellulärer Veränderungen finden statt.

Komplexere Modelle erfordern den Dialog

 

Mittlerweile werden aus menschlichen Zellen funktionstüchtige Gewebeverbände (Assembloide und Organoide) entwickelt und miteinander zu Multi-Gewebeverbänden verbunden. Methoden der Ingenieurwissenschaften erlauben es auch mechanische Eigenschaften nachzuahmen. Zusammen mit immer komplexeren Modellen tragen diese reduktionistischen Modelle zu einer besser werdenden Ursachen-Folge-Forschung des kardiovaskulären Systems bei. Umso wichtiger wird es den Dialog zwischen den vielen beteiligten Disziplinen herzustellen.

Interdisziplinärer Fachaustausch mit internationalen Expert:innen

 

Zu diesem Dialog treffen sich vom 20.-23. Februar 2024 Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt zu einem Workshop der European Molecular Biology Organization (EMBO) am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) Heidelberg. Hochaktuelle grundlegende und translationale Arbeiten werden in interdisziplinären Sitzungen vorgestellt. Ingenieurswissenschaften, Entwicklungsbiologie, kardiale Biologie, vaskuläre Biologie, Immunologie und Mechanobiologie treffen auf translationale Forschung. Dieser neue EMBO-Workshop hat zum Ziel, die etablierte organzentrierte Sichtweise auf einzelne kardiovaskuläre Organe in einen systembiomedizinischen Ansatz umzuwandeln, indem die Grenzen zwischen den Disziplinen überschritten werden und die Diskussion über das kardiovaskuläre System in einem interdisziplinären Ansatz fortgesetzt wird.

EMBO: Förderung der Biowissenschaften

 

Die Europäische Organisation für Molekularbiologie (EMBO) wurde im Jahr 1964 offiziell gegründet. Die Ursprünge der EMBO gehen auf das Jahr 1963 zurück, als eine Gruppe führender europäischer Biologen in Ravello, Italien, zusammenkam.

Heute ist das EMBO eine Organisation von mehr als 2.000 führenden Forscher:innen, die Spitzenleistungen in den Biowissenschaften in Europa und darüber hinaus fördert. Die wichtigsten Ziele der Organisation sind die Unterstützung talentierter Forschenden in allen Phasen ihrer Laufbahn, die Förderung des Austauschs wissenschaftlicher Informationen und der Aufbau eines Forschungsumfelds, in dem Wissenschaftler:innen ihre Arbeit auf höchstem Niveau voranbringen können.

Kurse, Workshops und Vorlesungen dienen zum Austausch von neuesten Forschungsergebnissen und der Vermittlung von Techniken zur Aufrechterhaltung hoher Standards in der Forschungspraxis. Darüber hinaus trägt EMBO zur Gestaltung der Wissenschaftspolitik bei, indem es Rückmeldungen eingeholt und die Trends in der Wissenschaft genau verfolgt. Die Organisation fördert die molekularbiologische Grundlagenforschung auf vielfältige Weise. Besonders wichtig sind die EMBO-Stipendien für Nachwuchsforscher:innen sowie die von der EMBO veranstalteten wissenschaftlichen Fortbildungskurse und Konferenzen, wie die beispielsweise die EMBO-Workshops.

EMBL: 50 Jahre Spitzenforschung in Heidelberg

 

Im Rahmen der EMBO-Gründung wurden nicht nur Netzwerke zum Austausch von Wissenschaftlerinnen eingerichtet, sondern zusätzlich auch ein zentrales Labor. Im Jahr 1974 wurde das Europäische Labor für Molekularbiologie (EMBL) gegründet mit Hauptsitz in Heidelberg.

Inzwischen ist das EMBL ein führendes Forschungsinstitut mit 29 Mitgliedsstaaten, Laboratorien an 6 Standorten in Europa und über 1.800 Mitarbeiter:innen. Durch die Veröffentlichung von zahlreichen Publikationen und die Veranstaltung von mehreren Konferenzen pro Jahr treibt das EMBL visionäre Grundlagenforschung voran und bildet wissenschaftliche Talente aus. Neben zentralen und administrativen Einrichtungen beherbergt das EMBL in Heidelberg die folgenden 4 Forschungseinheiten: Zellbiologie und Biophysik, Entwicklungsbiologie, Genombiologie, Strukturbiologie und Bioinformatik.

Teilnahme am EMBO-Workshop 

 

Die Teilnahme am EMBO-Workshop „The New CardioBiology“ kann aktiv mit Posterpräsentationen oder ausgewählten Vorträgen erfolgen. Die virtuelle Registrierung ist noch bis zum 13.02.2024 möglich. Zu den Organisatoren gehören Pilar Alcaide (Boston), Kristina Haase (Barcelona), Enzo Porrello (Melbourne) und Johannes Backs (Heidelberg). Die beiden Keynote Sprecher:innen sind Christine Mummery (Leiden) und Eric N. Olson (Dallas).

 

Einzelheiten finden sich auf der Homepage des EMBO-Workshops  ‘The New CardioBiology‘: https://www.embl.org/about/info/course-and-conference-office/events/ncb24-01/

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