Eröffnungspressekonferenz der 90. Jahrestagung

 

 

DGK-Jahrestagung 2024 | Der Startschuss der 90. Jahrestagung der DGK im Congress Center Rosengarten in Mannheim ist gefallen. In der heutigen Eröffnungspressekonferenz (11:30 - 12:30 Uhr) wurde der diesjährige Schwerpunkt „Schnittstellen in der kardiovaskulären Medizin“ durch den Tagungspräsidenten Prof. Maack vorgestellt. Weitere Themen waren: die Nationale Herz-Allianz (Prof. Baldus), Prävention (Prof. Landmesser) und Diagnostik der chronischen KHK (Prof. Thiele). Wir haben hier für Sie das Wichtigste zusammengefasst.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

03.04.2024

 

Bildquelle (Bild oben): m:con / Ben van Skyhawk

Schnittstellen der kardiovaskulären Medizin

Der Tagungspräsident Prof. Christoph Maack (Würzburg) eröffnete die Pressekonferenz zu dem Schwerpunktthema der diesjährigen Jahrestagung. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind immer noch die häufigste Todesursache in Deutschland mit zunehmender Tendenz. Dabei stellen Diabetes und Übergewicht die wichtigsten Risikofaktoren dar. Betroffene mit Herzinsuffizienz leiden sehr häufig auch unter weiteren Komorbiditäten. Je mehr Komorbiditäten Menschen mit Herzinsuffizienz aufweisen, desto schlechter ist die Prognose, so Prof. Maack.

 

„Die Herzinsuffienz ist keine Organerkrankung, sondern eine Systemerkrankung.“

 

Das Herz kommuniziert mit anderen Organen, wobei Hormonaktivierung, Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse als wichtigste Achsen der Kommunikation zu nennen sind. Über viele Jahre hinweg haben sich die Therapien auf die Hormonaktivierung beschränkt.

 

Neuere Therapien zielen darauf ab, Entzündungs- und Stoffwechselprozesse anzugreifen.“

 

So konnten in den letzten Jahren mit SGLT-2-Inhibitoren und GLP1-Rezeptorantagonisten wichtige Durchbrüche erzielt werden. Als weitere wichtige Themenkomplexe nannte Prof. Maack den Einfluss von Umweltfaktoren sowie die Prävention. Körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung gehören nach wie vor zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen. So kann die mediterrane Diät das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulären Tod um 30 % reduzieren.

 

„Hitze und Luftverschmutzung verstärken sich gegenseitig“

 

Die zunehmende Klimaerwärmung hat zum Anstieg der Anzahl der extremen Hitzetage geführt. Deutschland steht nach China und Indien an Position 3 im weltweiten Ranking der Hitze-Todesfälle, die vor allem auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen sind. Zudem gibt es verstärkende Wechselwirkungen zwischen Luftverschmutzung durch Feinstaub und Hitze. Zu den wichtigsten Gegenmaßnahmen gehören: weniger Autoverkehr und mehr Grünflächen in den Städten sowie Prävention in Form von gesunder Ernährung und viel Bewegung. Doch auch im Klinikalltag sollte die 3-R-Regeln (Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln) berücksichtigt werden, um CO2 einzusparen. Zu diesem Thema wurde in der DGK gerade die Task Force "Planetare Gesundheit" neu gegründet.

Welchen Weg geht die Nationale Herz-Allianz?

Prof. Stephan Baldus (Köln) hob hervor, dass Deutschland im europäischen Vergleich besonders schlecht abschneidet: Obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen die höchsten Kostentreiber des deutschen Gesundheitssystems darstellen, bleibt Deutschland immer noch ein kardiovaskuläres Hochrisikoland.

 

„Nur etwa 0,9 % der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen entfallen derzeit auf Prävention.“

 

Wie Prof. Baldus betonte, muss die Prävention in Deutschland stärker gefördert werden. Aus diesem Grunde wurde die Nationale Herz-Allianz (NHA) ins Leben gerufen.

 

VRONI zum Screening von Kindern auf familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist ein wichtiges Beispiel aktueller Präventionsprojekte. Die frühe Behandlung von Kindern mit FH ist hocheffektiv, wie Daten aus den Niederlanden zeigten. Derzeit werden aber nur etwa 10 % der betroffenen Kinder in Deutschland identifiziert bei einer Prävalenz von 1:300. Das Ziel ist es, das FH-Screening in Deutschland in die U9-Vorsorge-Untersuchungen beim Kinderarzt zu integrieren. Dank VRONI wurden bisher bereits über 200 betroffene Familien mit FH identifiziert.

 

Weitere wichtige Beispiele für Präventionsprojekte sind:

 

  • Verbesserung der Grippe-Impfungen von Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten
  • Bestimmung der BNP-Spiegel zur frühen Diagnose von Herzinsuffizienz bei asymptomatischen Patientinnen und Patienten gemeinsam mit Hausarzt-Netzwerken
  • Verbesserung der Behandlungsquoten bei AV-Klappenerkrankungen
  •  Verbesserung der Laien-Reanimation: Rund 10.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr könnten in Deutschland zusätzlich gerettet werden

 

„Wir sind sehr froh, das Bundesgesundheitsministerium an unserer Seite zu wissen.“
 

Prof. Baldus ist zuversichtlich, dass weitere Projekte zur Prävention durch die NHA auch in Zusammenarbeit mit dem Bundesgesundheitsministerium zukünftig umgesetzt werden können.

Prävention und Lipide von VRONI bis Lipid Snapshot

Auch Prof. Ulf Landmesser (Berlin) unterstrich nochmals die Bedeutung der Prävention. Die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass Lipide eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Atherosklerose spielen. Daher empfehlen die Leitlinien eine intensive LDL-Senkung bei Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten.

 

„Die intensive LDL-Senkung unterstützt die Plaque-Stabilisierung bei Betroffenen mit hohem Risiko.“

 

Das Lipid SnapShot-Projekt soll Unterschiede der Lipidtherapie durch kardiologische Facharztpraxen im Vergleich zur Versorgung durch den Hausarzt untersuchen. Bei dem Programm über 3 Jahre wird eine Querschnittsuntersuchung (SnapShot) pro Jahr mit jeweils 1.500 Patientinnen und Patienten aus kardiologischen Facharztpraxen erhoben und mit Bestandsdaten zur hausärztlichen Versorgung verglichen. Die Analyse der Daten der ersten 1.500 Patientinnen und Patienten aus 49 kardiologischen Facharztpraxen wird auf dieser Jahrestagung vorgestellt.

 

„Wir gehen davon aus, dass ein großes Potenzial für Verbesserungen besteht.“

 

Neue zielgerichtete molekulare Therapien zur Lipidsenkung werden derzeit in klinischen Studien untersucht. Prof. Landmesser ist zuversichtlich, dass Gene-Editing und die Wirkstoffklasse der siRNA weitere Möglichkeiten eröffnen, aber dennoch ist er der Meinung, dass vor allem die Prävention auch in Zukunft wichtig bleiben wird.

Moderne Diagnostik der chronischen KHK

Der Präsident der DGK, Prof. Holger Thiele (Leipzig) stellte den Stellenwert der modernen Diagnostik für die Prävention von koronaren Herzkrankheiten (KHK) anhand von 2 Fallbeispielen heraus. Dabei handelte es sich um einen 57-jährigen männlichen Patienten mit KHK-Verdacht, bei dem im Zusammenspiel zwischen Hausarzt und Radiologen über 7 Monate jegliche Diagnostik angewendet wurde, bevor die Kardiologie hinzugezogen wurde.

Im zweiten Beispiel schilderte Prof. Thiele den Fall einer weiblichen Patientin (44 Jahre alt) mit vielen zusätzlichen Risikofaktoren und Symptomen einer Angina pectoris. Im CT wurde eine In-Stent-Restenose diagnostiziert und anschließend eine Bypass-OP durch den Herzchirurgen durchgeführt. Erst nach erneuten Beschwerden wurde diese Patientin in die kardiologische Fachabteilung überwiesen.

 

Diese beiden Fallbeispiele zeigen die Problematik auf, dass zum einen Stenosen im CT häufig überschätzt werden, und zum anderen die Befundung durch einen erfahrenen Kardiologen oder durch eine erfahrene Kardiologin extrem wichtig ist. In diesem Kontext besagt der GBA-Beschluss vom 18.01.2024 zwar, dass bei komplexen Befunden Kardiologen oder Kardiologinnen hinzuzuziehen sind, doch dies reicht laut Prof. Thiele nicht aus.  

 

„Die Partnerschaft zwischen Kardiologie und Radiologie ist der beste Weg.“

 

Prof. Thiele ist überzeugt, dass nur die Zusammenarbeit von Radiologie und Kardiologie die klinische Expertise, die Zweitmeinung, die Bildgebungskompetenz, die technische, therapeutische und klinische Kompetenz vereinigen kann, und nur damit die bestmögliche Diagnostik und Therapie erreicht werden kann. Diese Qualitätskriterien sind ebenfalls wichtige Aspekte bei der Implementierung der EBM-Ziffer innerhalb der nächsten 4 Monate. 


Hier geht es zum On-Demand-Video der Eröffnungspressekonferenz

 

Hier geht es zum Programm der Jahrestagung

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