PCSK9-siRNA Inclisiran wirksamer und verträglicher als Standard-Therapie

 

ESC Congress 2025 | VICTORION-Difference: In der randomisierten Phase-4-Studie wurde die Wirksamkeit von Inclisiran vs. Placebo zusätzlich zu Rosuvastatin bei 1.776 Personen mit Hypercholesterinämie und hohem oder sehr hohem kardiovaskulären Risiko untersucht. Studienleiter Prof. Ulf Landmesser (Charité, Berlin) stellte die Ergebnisse in der Session Hot Line 4 am 30.08. vor, die zeitgleich publiziert wurden.1,2

Von:

Prof. Ulrich Laufs

Rubrikleiter Prävention

 

30.08.2025

 

Bildquelle (Bild oben): Songquan Deng / Shutterstock.com

Die prospektive randomisierte Phase-4-Studie schloss Patientinnen und Patienten mit Hypercholesterinämie und hohem oder sehr hohem kardiovaskulären (CV) Risiko ein. Alle Teilnehmenden wurden zunächst in offener Anwendung auf eine Hintergrundtherapie mit der maximal verträglichen Dosis Rosuvastatin titriert. Anschließend wurden die Patientinnen und Patienten im Verhältnis 1:1 randomisiert, um entweder die mit der PCSK9-Transkription interferierende RNA Inclisiran (300 mg sc an den Tagen 1, 90 und 270) oder Placebo mit Standardbehandlung (SOC) zu erhalten. Der primäre Studienendpunkt war das Erreichen des individuellen LDL-C-Zielwertes an Tag 90.

Ergebnisse

 

Insgesamt wurden 1.770 Personen (Durchschnittsalter 63,7 Jahre) auf Inclisiran (n=898) oder Placebo (n=872) in 8 europäischen Ländern randomisiert. Die meisten (n=982) Patientinnen und Patienten wurden in Deutschland eingeschlossen. An Tag 90 erreichte ein höherer Anteil der Teilnehmenden unter Inclisiran im Vergleich zu Placebo + SOC ihre individuellen LDL-C-Zielwerte (84,9 % vs. 31,0 %; OR=12,09, p<0,0001). Die über die Zeit gemittelte prozentuale LDL-C-Senkung vom Ausgangswert bis Tag 360 betrug -59,5 % in der Inclisiran-Gruppe und -24,3 % in der SOC-Gruppe (Least-Squares-Mean-Treatment-Difference [LSMTD]=-35,14 %, p<0,0001). Unter Inclisiran berichteten weniger Teilnehmer über muskuläre Beschwerden im Vergleich zu SOC (11,9 % vs. 19,2 %; OR=0,57, p<0,0001). Die über die Zeit gemittelte Reduktion der Schmerz-Intensität und -Beeinträchtigung (Short Form-Brief Pain Inventory) zeigte einen nicht-signifikanten Trend zugunsten von Inclisiran (LSMTD=-0,11, p=0,039; LSMTD=-0,11, p=0,029). Es wurden keine neuen Sicherheitsprobleme beobachtet.

Fazit

 

Laut den Autorinnen und Autoren war eine auf dem PCSK9-Hemmer Inclisiran basierende Behandlungsstrategie der üblichen Therapie überlegen, indem sie eine bessere und anhaltende LDL-C-Senkung bewirkte und mit weniger muskulären Schmerzen assoziiert war.

Kommentar

 

Es handelt sich um die bisher größte abgeschlossene Studie mit Inclisiran. Die Daten bestätigen die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Substanz. Diese Information stärkt neben Inclisiran selbst auch die Klasse der PCSK9-Hemmer und das noch relativ neue pharmakologische Prinzip der RNA-Therapie. Bei der Interpretation der absoluten Effektstärken ist zu berücksichtigen, dass zunächst alle Patientinnen und Patienten eine maximal verträgliche Dosis Rosuvastatin erhielten und auf diesem Hintergrund Inclisiran mit Placebo + Standard-Therapie verglichen wurde. Nach einem Jahr (Tag 360) senkte Inclisiran das LDL-C im Vergleich zum Ausgangswert um ca. 60 %, die Personen in der Vergleichsgruppe zeigten eine Senkung von ca. 31%. Im Mittel über die Zeit [LSMTD] betrug der Unterschied 35 %.


Eine wichtige Besonderheit der VICTORION-Difference-Studie ist die Quantifizierung der relevanten patientenbezogenen Endpunkte Muskelschmerzen und Lebensqualität. Etwa 1 von 10 Personen unter Statin-Therapie berichtet über muskuläre Beschwerden, welche zum Teil die Lebensqualität erheblich einschränkten.3 Die Daten zeigen, dass der PCSK9-Hemmer – bei stärkerer LDL-C Senkung – besser verträglich war. Die Anzahl der Personen, die muskuläre Beschwerden berichteten, wurde von 19,2 % auf 11,9 % deutlich reduziert. Dies belegt eine bessere Verträglichkeit des PCSK9-Hemmers. Gleichzeitig bestätigt auch diese Studie die hohe Prävalenzrate berichteter muskulärer Beschwerden und deren komplexe Ätiologie.

Zur Person

Prof. Ulrich Laufs

Prof. Ulrich Laufs ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Zu seinen Schwerpunkten gehören insbesondere die kardiovaskuläre Prävention und Lipidstoffwechselstörungen. Er ist Co-Editor-in-Chief des DGK-Fachjournals Clinical Research in Cardiology (CRIC).

Bildquelle: Ronny Kretschmer / HKM

Referenzen

 

  1. Landmesser U. VICTORION-Difference study: Inclisiran-based strategy vs standard of care. Hot Line 4, 30.08.2025, Madrid, ESC 2025.
  2. Landmesser et al. EHJ 2025
  3. Stürzebecher PE et al. Quality of life in patients with statin intolerance: a multicentre prospective registry study. Lancet Reg Health Eur. 2024 Jul 1;43:100981.

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