Was ist ein Aortenaneurysma?

Ein Aortenaneurysma ist eine Ausweitung der Aorta, also der Hauptschlagader. Erkannt werden Aortenaneurysmen oft erst bei Vorsorgeuntersuchungen. Welche Ursachen zu einem Aneurysma führen können und wann eine Operation nötig ist.

Von Silja Klassen

 

02.11.2023


Bildquelle (Bild oben): iStock/Can Come

Was versteht man unter einem Aortenaneurysma?

Ein Aortenaneurysma ist eine abnorme, ballonartige Ausweitung oder Erweiterung der Aorta, also der Hauptschlagader und größten Arterie im Körper, häufig aufgrund von Gefäßverkalkungen. Es kann in allen Bereichen der Aorta auftreten: in der Brustaorta (thorakales Aneurysma) und der Bauchaorta (abdominales Aneurysma). Die Erweiterung – in der Medizin wird häufig von einer „Aussackung“ gesprochen – kann dazu führen, dass die Arterienwand geschwächt und das Aneurysma im Laufe der Zeit immer größer wird. Reißt die Ausbuchtung, droht eine lebensgefährliche innere Blutung. Am häufigsten ist die Altersgruppe über 65 Jahren betroffen, nach aktuellen Untersuchungen etwa vier bis acht Prozent aller Männer dieser Altersgruppe, bei Frauen tritt es deutlich seltener auf. Männer erkranken ungefähr fünfmal häufiger an einem (Bauch-)Aortenaneurysma als Frauen.

 

Welche Ursachen hat ein Aortenaneurysma?

Aussackungen der Aorta können aufgrund verschiedener Faktoren auftreten:

 

  • Atherosklerose („Arterienverkalkung“): Eine Ansammlung von Plaque in den Arterienwänden schwächt die Aorta und kann zur Bildung eines Aneurysmas führen.
  • Bluthochdruck (Hypertonie): Hoher Blutdruck kann die Aorta belasten und zur Bildung eines Aneurysmas beitragen.
  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorgeschichte von Aortenaneurysmen kann das Risiko erhöhen. Dazu gehört zum Beispiel eine Aortenisthmusstenose – ein Herzfehler mit einer Fehlbildung der Aorta.
  • Rauchen: Tabakkonsum ist ein Risikofaktor für das Entstehen von Aortenaneurysmen, denn er beeinträchtigt die Gefäßgesundheit.
  • Bakterielle Infekte wie beispielsweise Tuberkulose, Pilzinfektionen.
  • Autoimmunerkrankungen wie Morbus Behçet, Riesenzellarteriitis oder Sarkoidose.
  • Drogenkonsum, beispielsweise Kokain oder Crack.

 

Welche Symptome verursacht ein Aortenaneurysma?

In vielen Fällen verursacht ein Aortenaneurysma keine offensichtlichen Symptome, insbesondere wenn es klein ist. Es wird daher oft nur zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen erkannt. Große Aneurysmen im Brustbereich können zum Beispiel zu Schluckstörungen, starker Heiserkeit oder einer Behinderung des Blutflusses zurück zum Herzen führen.

 

Aortenaneurysmen im Bauch- oder Brustbereich haben unterschiedliche Symptome:

 

Symptome eines Aortenaneurysmas im Brustbereich

  • Brustschmerzen
  • auffälliges Atemgeräusch
  • Husten und Heiserkeit
  • Atemnot

Wenn das Aneurysma im Brustbereich reißt, kommt es zu plötzlichen und starken Brustschmerzen, die den Symptomen eines Herzinfarkts ähneln.

 

Symptome eines Aortenaneurysmas im Bauch

  • Anhaltend stechende Schmerzen im Unterbauch
  • Starke Rückenschmerzen, die in die Beine ausstrahlen können
  • Verdauungsbeschwerden

Wenn es zu einer Ruptur beziehungsweise einem Riss in der Bauchaorta kommt, verstärken sich die Schmerzen im Bauchraum und im Rücken.

 

Wie wird ein Aortenaneurysma diagnostiziert?

Oft wird ein Aneurysma im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt. Gerade bei der thorakalen Aorta wird es häufig erst im Rahmen einer kardiologischen Diagnostik, meist durch einen Ultraschalluntersuchung des Herzens festgestellt. Bei einem Verdacht auf ein Aortenaneurysma nutzen Ärzte oder Ärztinnen verschiedene diagnostische Verfahren:

 

  • Ultraschall: Ein Ultraschallbild des Bauch- oder Brustbereichs kann die Bildung eines Aneurysmas bestätigen.
  • CT- oder MRT-Untersuchung: Diese bildgebenden Verfahren können genaue Informationen über die Größe und Lage des Aneurysmas liefern.

 

Wie wird ein Aortenaneurysma behandelt?

Die Behandlung hängt von der Größe des Aneurysmas und anderen individuellen Faktoren ab. Die Therapiemöglichkeiten umfassen:

  • Überwachung: Kleine Aneurysmen werden häufig zunächst nur regelmäßig kontrolliert, um ihre Größe zu verfolgen.
  • Lebensstiländerungen: Bei einem kleinen Aneurysma schlagen Ärztinnen und Ärzte Veränderungen des Lebensstils vor, um das Risiko einer fortschreitenden Gefäßschädigung zu senken. Dazu gehören Rauchstopp, ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung mit viel frischen Zutaten und gesunden Fetten.
  • Medikamente: Blutdrucksenkende Arzneimittel können verschrieben werden, um die weitere Entwicklung des Aneurysmas zu verlangsamen.
  • Chirurgie: Bei großen oder gefährlichen Aneurysmen kann eine Operation erforderlich sein, um den beschädigten Teil der Aorta zu entfernen. Daneben gibt es eine minimal-invasive Methode mit einem Stent, der die Aorta von innen stabilisiert und das Aneurysma ausschaltet.

Je größer ein Aortenaneurysma ist, desto eher reißt es. Die Bauchaorta hat normalerweise einen Durchmesser von zwei Zentimetern. Operiert wird bei Männern in der Regel bei einer Erweiterung auf 5,5 Zentimetern und bei Frauen bei 5,0 Zentimetern. In bestimmten Fällen – je nach Lage des Aneurysmas – auch bereits bei geringeren Erweiterungen. Ein Einriss der Gefäßwand (Ruptur) erfordert immer eine sofortige Operation.

 

Lässt sich einem Aortenaneurysma vorbeugen?

Zur Prävention eines Aortenaneurysmas gehört eine gesundheitsfördernde Lebensweise. Dazu gehören neben Rauchverzicht eine Blutdruckkontrolle, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Ärztinnen und Ärzte empfehlen Menschen mit familiärer Vorbelastung, sich regelmäßig ärztlich untersuchen zu lassen. Männer ab 65 Jahren können die Untersuchung, ein Ultraschall-Screening, freiwillig und einmalig kostenlos wahrnehmen (wenn Folgebehandlungen nötig sind, übernimmt die Krankenkasse diese). Frauen sind zwar seltener von einem Aortenaneurysma betroffen – dennoch sollten auch sie ab dem Alter von 65 Jahren einmal die Bauchaorta checken lassen, empfehlen Experten. Bisher ist die Vorsorgeuntersuchung allerdings nur für Männer eine Kassenleistung.

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