90. Jahrestagung der DGK: Fachpressekonferenz

 

 

DGK-Jahrestagung 2024 | In der Fachpressekonferenz der DGK-Jahrestagung wurden die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Studienjahr 2023 vorgestellt. Diskutiert wurden die Schlussfolgerungen für die klinische Praxis aus Studien, wie SELECT, STEP-HFpEF, ORBITA-2, AZALEA sowie Studien zur interventionelle Hochdrucktherapie - hier ist die Zusammenfassung.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

05.04.2024

 

Bildquelle (Bild oben): m:con / Ben van Skyhawk

Bedeutung der GLP-1-Antagonisten

 

Wie Prof. Marx (Aachen) betonte geht Übergewicht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einher, und zwar unabhängig von anderen Faktoren, wie Diabetes, Hypertonie und Dyslipidämie. Semaglutid reduzierte in mehreren klinischen Studien bei Menschen mit Adipositas nicht nur das Gewicht, sondern hatte auch positive Effekte auf Blutdruck, Entzündungswerte und Lipidprofil. 

 

„Semaglutid wird ein Gamechanger sein als Therapieoption für eine wachsende Patientenpopulation.“

 

In der SELECT-Studie mit 17.500 Personen mit Adipositas und hohem kardiovaskulären Risiko reduzierte Semaglutid sowohl den kombinierten Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall) als auch die Gesamtmortalität und verbesserte zusätzlich die metabolischen Parameter, wie Blutdruck, CRP, Triglyceride und LDL-Cholesterin. SELECT eröffnete erstmals eine neue Option, um das hohe Risiko bei kardiovaskulär vorerkrankten Personen mit Übergewicht zu verringern, so lautete das Fazit von Prof. Marx.

 

Weiterhin verbesserte Semaglutid in STEP-HFpEF die Lebensqualität und die sekundären Endpunkte, NT-proBNP und CRP von 529 HFpEF-Patientinnen und Patienten (BMI ≥ 30 kg/m2) über 52 Wochen versus Placebo. Daher stellt Semaglutid laut Prof. Marx auch für Personen mit HFpEF und Adipositas eine neue Option dar, um die Symptomlast zu reduzieren und die Belastbarkeit im Alltag zu verbessern. 

PTCA nun doch wirksam?

 

Prof. Rudolph (Bad Oeynhausen) ging zunächst auf die leitliniengerechte Behandlung der Angina pectoris ein: Die medikamentöse Therapie ist komplex: Abhängig von Komorbiditäten und Schweregrad der Angina pectoris gibt es verschiedene Stufen und Kombinationstherapien mit unterschiedlichen Medikamentengruppen, wie u. a. Betablocker, Calcium-Antagonisten, Nitrate und Natriumkanalblocker. Sollte die Lebensqualität dennoch eingeschränkt sein, empfehlen die Leitlinien eine Revaskularisation.

In den letzten Jahren untersuchten mehrere klinische Studien das Outcome der medikamentösen Therapie versus Revaskularisierung bei Angina pectoris. Laut ORBITA aus dem Jahr 2018 hatte die Revaskularisation keinen symptomatischen Benefit und laut ISCHEMIA war die PCI nicht mit weniger unerwünschten Ereignissen assoziiert im Vergleich zur Pharmakotherapie. Zuletzt zeigte ORBITA-2 jedoch, dass die alleinige PCI im Vergleich zum Scheinverfahren die Symptome bei stabiler Angina pectoris verbesserte, wobei der prognostische Benefit allerdings unsicher blieb.

 

„Die Therapie-Entscheidung sollte auf einem Shared Decision Making basieren.“

 

Prof. Rudolph schlussfolgerte, dass die Revaskularisierung weiterhin einen wichtigen Stellenwert bei der Behandlung der Angina pectoris hat. Die Studienlage deutet auf eine Gleichberechtigung zwischen beiden Therapie-Optionen hin. Somit sollte die Therapie-Entscheidung individuell gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten getroffen werden abhängig von Präferenzen, Risikofaktoren und Komorbiditäten.

Neue Antikoagulanzien: Von den DOAKS zur AZALEA-Studie

 

Prof. Lewalter hob hervor, dass Vorhofflimmern (VHF) ein weitverbreiteter Treiber für Schlaganfälle ist. Etwa 15-20% der über 80-jährigen Männer sind von VHF betroffen. Zunächst ging Prof. Lewalter auf die Frage ein, ob bei subklinischem VHF bzw. atrialen Hochfrequenzepisoden (AHRE) eine Antikoagulation in Betracht kommt. NOAH-AFNET-6 ergab keinen Nutzen, sondern ein signifikant erhöhtes Blutungsrisiko für Edoxaban versus Placebo und ARTESIA zufolge reduzierte die Antikoagulation mit Apixaban zwar das Schlaganfallrisiko, allerdings bei gleichzeitig erhöhtem Risiko für schwerwiegende Blutungen gegenüber Acetylsalicylsäure.

 

„Die Entscheidung einer Antikoagulation muss nach individualisierter Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.“

 

Laut Prof. Lewalter sollte die Entscheidung einer Antikoagulation bei AHR, vor allem von der VHF-Dauer abhängen. Bei einem anhaltendem VHF über 4-6 Wochen ist eine Antikoagulation von Nutzen, wobei die Fernüberwachung eine große Rolle spielt.

 

„Der Optimismus bei den Faktor XI Inhibitoren ist gedämpft.“

 

Anschließend beleuchtete Prof. Lewalter die Studienlage zu den Faktor XI Inhibitoren Abelacimab und Asundexian. Während OCEANIC-AF zum Vergleich von Asundexian versus Apixaban bei VHF aufgrund mangelnder Wirksamkeit abgebrochen wurde, traten in AZALEA-TIMI 71 mit Abelacimab weniger Blutungen im Vergleich zu Rivaroxaban auf. Die LILAC-Studie zur Effizienz von Abelacimab versus Placebo läuft derzeit. Allerdings steht diese Studie in der Kritik, da die Aussagekraft der Ergebnisse schon jetzt infrage gestellt wird. 

Interventionelle Hochdrucktherapie

Prof. Mahfoud beleuchtete die aktuelle Studienlage zur interventionellen Hochdrucktherapie: Die auf Radiofrequenz- oder Ultraschall-Verfahren basierenden Devices zeigten gegenüber Scheinverfahren übereinstimmend eine klare Überlegenheit. Dabei wurden sowohl Personen mit moderater Hypertonie und geringen Risikofaktoren als auch Personen mit moderater Hypertonie trotz Einnahme von 1-3 blutdrucksenkenden Medikamenten in die Studien eingeschlossen. Die Wirksamkeit der renalen Denervation nahm im Langzeitverlauf über 3 Jahre tendenziell zu und hielt auch über bis zu 10 Jahre unvermindert an. Es wurden keinerlei Hinweise auf Sicherheitsbedenken festgestellt.

 

„Die Pharmakotherapie und renale Denervation sind komplementäre Therapien.“

 

Gemäß ESC Consensus Statement von 2023 kommt die renale Denervation bei Patientinnen und Patienten mit resistenter Hypertonie (≥ 140/≥ 90 mm Hg) trotz Einnahme von 3 blutdrucksenkenden Medikamenten in Betracht. Auch in den ESH-Leitlinien zum Hypertonie-Management von 2023 wird die renale Denervation für therapieresistente Patientinnen und Patienten trotz Dreifach-Fixkombination und eGFR ≥ 30 ml/1,73 m2 als Alternative zu Spironolacton oder Beta-Blocker/Alpha-Blocker oder zentrales Sympathikolytikon empfohlen. Die Entscheidung, ob die Pharmakotherapie ggf. intensiviert wird oder ob eine renale Denervation zum Einsatz kommt, muss gemeinsam mit den Betroffenen als Shared-Decicion-Making getroffen werden, so lautete das Fazit von Prof. Mafouhd. 


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